Wie wir unsere Ehe gerettet haben

Wir sind über dreißig Jahre verheiratet. Das ist eine lange Zeit. Und in dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen, kleine Krisen und sehr schwere und große Krisen, die das Potenzial hatten, in eine Trennung zu führen.
Manche Krisen dauerten Wochen, andere sogar mehrere Jahre.
Und mit uns litten die, die uns am nächsten stehen und die uns lieben.
Das ist eigentlich eine Nebentragödie die viel zu wenig Beachtung findet.

Eine Beziehung zieht Kreise. Wie ein Stein, den man in den ruhigen See wirft.

Wir haben auch weiterhin unterschiedliche Meinungen. Unsere kleinen und großen Schatten fordern uns immer wieder heraus. Wir hauen uns immer noch ein kerniges „aber du hast….“ um die Ohren, regen uns über Kleinigkeiten auf und sind nicht zimperlich mit überflüssigen Schuldzuweisungen.
Aber wir haben gelernt, Konflikte nicht mehr ernster zu nehmen als sie sind. Wir haben gelernt, vorsichtiger und ehrlicher miteinander umzugehen.

In der Rückschau fallen mir einige Dinge ein, die wir viel früher hätten angehen müssen. Dinge, die den Schmerz der Verletzungen, die wir uns zugefügt haben, erträglicher gemacht hätten.
Wir haben es uns viel zu schwer gemacht.

Heute würde ich mir viel schneller 1. Hilfe von außen holen.
Das muss keine Therapie im großen Stil sein. Es kann jemand sein, dem beide Partner vertrauen und der einigermaßen neutral ist.
Schließlich laufen wir auch nicht monatelang mit einem gebrochenen Arm herum, nur weil uns der Zeitpunkt des Bruchs zu früh oder zu ungeeignet erscheint.
Sich helfen zu lassen ist nicht einfach. Man muss über seinen Schatten springen und sich von der Überheblichkeit alles selbst schaffen zu können verabschieden.

Das ist ein Schritt der Mut erfordert. Keine Frage. Aber er kann sehr effektiv sein. Für die Beziehung und für die persönliche Entwicklung.

Eine 2. Gute Kommunikation üben. Mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören und mit dem Herzen des anderen spüren. Empathie ist kein emotionaler Weichspüler, sondern ein Tool, das erlernbar ist. Zuhören und den anderen aussprechen lassen. Unterstellungen und Mutmaßungen rauslassen. Themen sortieren und nacheinander abarbeiten. Bedürfnisse formulieren und klären, ob man ein gemeinsames Ziel hat, das man auf unterschiedlichen Wegen erreichen will oder ob es umgekehrt so ist, dass man unterschiedliche Ziele hat aber durchaus einen gemeinsamen Weg.

Ich habe mich viele Jahre verbogen und fühlte mich damit schlecht. Ich sah mich als Eheopfer, die Frau, die sich um alles kümmern muss, keine Unterstützung hat und unverstanden ist. Die Ehe war für mich einengend.
Während unseres großen Crashs sagte mein Mann etwas, dass ich nie vergessen werde, weil es mir die Augen öffnete.
Die Ehe ist das, was wir gemeinsam daraus machen. Die Regeln bestimmen wir. Lass dich von dem Wort doch nicht unter Druck setzen.

Wir haben 3. Aufgehört uns für den anderen zu verbiegen. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Ganz im Gegenteil. Jeder hat eigene Bedürfnisse. Lebendige Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass man eine Schnittmenge hat, die sich aus den persönlichen Freiheiten der Individuen speist.
Wir haben uns ineinander verliebt, weil wir waren wie wir waren. Und vor allem waren wir frei. Und daran sollten wir uns immer wieder erinnern.

4. Das einzige Opfer, das man in einer Beziehung zu bringen bereit sein muss, ist der Kompromiss.
Und die Bereitschaft damit leben zu können, dass es machmal keine Lösung für ein Problem gibt. Das man loslassen muss. Und dass es trotzdem ein gute Beziehung sein kann.
Geben und Nehmen. Sich Fallenlassen und Auffangen. Frau und Mann. Oder auch X und Y.

Die Gründe dafür, dass wir uns ziemlich lange miteinander quälten waren vor allem drei Faktoren. Überheblichkeit, Scham und Angst. Und dieses fatale Trio hat in einer auf Nähe und Vertrauen basierenden Beziehung nichts verloren.

Ich wünsche euch gute und gelassene Beziehungen.

Christine



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