In dieser Woche, genauer gesagt gestern, war der Tag des Ehrenamtes.
Ich überlege schon seit geraumer Zeit, ob ich mich für ein Ehrenamt eigne.
Aber wo könnte ich mich ehrenhalber einbringen? Die Freiwillige Feuerwehr ist mir zu heiß und für die Arbeit im Hospiz bin ich zu zart besaitet.

Außerdem, mal ganz ehrlich und unter uns, wieviel Wertschätzung erfährt eine Gratisleistung?

Zum Glück kann ich fast nichts, außer Lesen und Schreiben. Aber immerhin kann ich es offenbar besser als viele andere.

Denn, Eiderdaus, man höre und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, Pisa, nicht die Stadt mit dem Turm, sondern die Studie zeigt an, dass unsere Zukunft in Sachen Lesen, Schreiben und Rechnen ein düsteres Szenario heraufbeschwört.

Unseren wackeren bayrischen, baden-württembergischen und sächsischen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass ein stockfinsterer Bildungsuntergang am zarten Licht hoffnungsvoller Bildungsmittelmäßigkeit scheitert.

Immer weniger Kinder und Jugendliche können lesen und schreiben. Stattdessen rechnen sie aber mit der Wahrscheinlichkeit, Influencer, Gamer oder YouTuber zu werden oder vertrauen derart auf ihren A Star is Born Status, dass sie sich bekifft noch in der Lage sehen, den Personalchef derart zu überzeugen, dass er ihnen direkt die Geschäftsführerposition andient.
Alternativ ist es ihnen scheiß egal, denn es passiert ja nichts, was ihnen Unannehmlichkeiten bereiten könnte.
Und wenn, dann findet sich bestimmt ein Anwalt, der die Dinge regelt. Papa, Onkel oder Cousin werden es schon richten.
Man fällt gemeinhin sehr weich und sehr warm, selbst in den misslichsten Lebenssituationen.
Und Sozialarbeiter soll sich kümmern, Alter ey!

In bildungspolitischen Kreisen brabbelt man sich alle Jahre wieder die möglichen Ursachen für das Dilemma in die langen Bärte.

Eine besonders pfiffige Studienrätin ließ jetzt die Katze aus dem Sack.

Quereinsteiger, also Fachkräfte anderer Berufe, denen lediglich die 2 Semesterwochenstunden Pädagogik fehlen, die Gymnasiallehrer in den mutigen Zustand versetzen, sich überhaupt als Pädagogen bezeichnen zu dürfen, tragen zum Versagen der Schüler erheblich bei, da sie nun mal nicht über die entsprechende Ausbildung verfügen, um Grundschülern Lesen und Schreiben beizubringen. Hört, hört!

Ausgebildeten Erziehungswissenschaftlern, Diplomierten Pädagogen, also Menschen, die sich fünf Jahre oder länger mit Erziehung, Lehre und Bildung auseinandergesetzt haben, und zwar in Theorie und Praxis, wird der Zugang zum Lehrerberuf wenn nicht schwer, so noch schwerer gemacht.
Ja es ist im Grunde unmöglich, als Pädagoge Lehrer zu werden!
Warum? Klar. Das fachliche Wissen fehlt.

Und umgekehrt, wenn man Mathe, Philosophie, Germanistik oder Jura studiert hat, dann wird einem gesagt, man wäre nicht in der Lage, Fachwissen zu vermitteln und könne deshalb leider nicht dafür berücksichtigt werden, für einen Hungerlohn als Lehrer arbeiten zu dürfen.

Und hier kommt dann wieder das Ehrenamt ins Spiel!
Entschuldigen Sie bitte, mea culpa. Mein Zynismus ist schlimm. Und zur Strafe werde ich bestimmt ganz fiele Kommas falsch gesetzt haben oder noch falscher setzen werden müsen und noch fiel mär Rechtschreibefeler machen tun. Oder so.

Zurück zu meinen Ambitionen, mich angesichts der angespannten Bildungssituation mit meinen Fähigkeiten ehrenamtlich einzubringen.
Sie sind weg. Erloschen. Wahrscheinlich für immer.
Sie fragen warum?

Ich bot meine ehrenamtlichen, privaten Dienste unter dem Stichwort Lesepate, Unterstützung beim Lesen, Ehrenamt an und konnte mich vor Klicks kaum retten. Klar, zu finden war meine Annonce unter Verschenken/Tauschen.
Was dann kam, war ernüchternd und mir fiel der Spruch ein Wenn man dir den kleinen Finger gibt, dann nimmst du gleich die ganze Hand.

Hallo, ey lest du mir ma vor? Ey, was is? antworte ma.
Könn sie putzen?


Das sind die harmlosen Reaktionen. Nur so viel: als ehrenamtlicher Escortservice oder nackte Vorleserin hätte mir eine steile Karriere im Feld des Ehrenamtes bevorgestanden.
Hut ab vor allen Lehrern, die in Schulen à la fuck ju Göte unterrichten.
Alle Achtung vor Menschen, die andere pflegen, was ganz oft heißt, so richtig in die Scheiße zu fassen.
Respekt vor den Menschen, die sich um Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung kümmern.
Und last but not least denen, die aus voller Überzeugung ehrenamtlich arbeiten können.

Sie alle haben einen großen Anteil daran, das wir ein funktionierendes soziales Gerüst haben.
Der Blick darauf sollte geschärft und angemessen bewertet werden.

Man kann nur dann sozial handeln, wenn man seine Kapazitäten vernünftig einsetzt. Das heißt fair und zukunftsgerichtet.
Wer meint, er muss auf Biegen und Brechen dafür sorgen, dass es allen immer gut geht, der handelt in hohem Maße asozial, denn er vergisst die, die jetzt ihren Einsatz und ihre Kraft zur Verfügung stellen und deren soziales Auskommen zukünftig ebenfalls gesichert sein muss.

Und was war sonst noch los in dieser Woche in der Provinz? Wenig bis gar nichts.
Es ist trübe, der Regen nieselt vor sich hin, der Ostwestfale sowieso und Stürme ereignen sich vielleicht für Herrn Trump, natürlich nicht jetzt, erst viel später und wenn überhaupt wird er seines Amtes enthoben werden können.
Schön wäre es, wenn man mit ihm weltweit auch gleich die anderen Oberhalunken entfernen könnte.
Bis es soweit ist, halte ich mich an Dieter Nuhr, der nicht darin nachlässt die These zu vertreten, dass es uns noch nie so gut ging wie heute, und zwar weltweit.
Und wer Factfullness *gelesen hat kann nachvollziehen, dass diese These untermauert werden kann.

Ich meckere also mal wieder vom ganz hohen Ross herunter. Aber irgendjemand muss es ja machen, ehrenamtlich, in der Provinz.

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