Muttertier Satire

Manchmal suche ich das Abenteuer und mache total verrückte Dinge. Gestern war es wieder soweit. Ich besuchte den hiesigen Edeka Markt um 19 Uhr. An einem Samstag!

Mein Einkauf war schnell erledigt, Vegetarier und Veganer hören jetzt bitte auf zu lesen, denn ich erstand an der Fleischtheke Würstchen und Kartoffelsalat.

Ein richtiges Abenteuer braucht einen ethisch-moralischen Ausrutscher finde ich. Ich dachte an Fräulein Thunberg und den Zustand unserer Welt, sprach ein kleines Bußgebet und machte mich auf den Weg ans Ende der Kassenschlange.

Dort angekommen beobachtete ich ein kleines Kind, wie es in entzückender Unbedarftheit mit seinen feucht-klebrigen Fingerchen den Zeitschriftenstand um etliche Printexemplare erleichterte.
Das kleine, bezaubernde Wesen zerpflücke und zerfledderte nackt jeder erzieherischen Instanz weltbewegende Informationen.

„Ennnooooo“, schallte es vom Bäckerstand, der sich jenseits der Kassenschleuse befindet, „Ennoooo, die Mama geht jetzt.“

Enno war also der Name des niedlichen Sachbeschädigers.
Ein Autonomer mit glänzenden Karriereaussichten, denn er verstärkte seine Bemühungen und versuche, mit drei Comicheften und einem „Mama, kaufen“- Gebrüll durch den Kassengang zu preschen.

„Ennoooohhh, leg das sofort zurück. Die Mama will das nicht kaufen.“

Mehr als lautstarkes verbales Engagement wollte die Mama aber nicht zeigen. Sie blieb, wo sie war, am Bäckerstand. Denn sie ist schließlich eine Mutter. Ja. Eine Mutter. Alle sollen es sehen und alle sollen es erfahren, wie toll und großartig eine Mutter ist.

Ich holte tief Luft und wollte gerade nachfragen, wann die Mutter denn gedachte, sich um ihren Nachkommen zu kümmern und den Schaden zu begleichen, da erschallte erneut die Stimme des Muttertieres durch den Laden.

„Der wird schon kommen, hahahah hihihihi“, tönte sie sendungsbewusst und mit einem Ich-bin-Mutter-haben-Sie-sonst-noch-Fragen? – Gesicht in Richtung ihres vor Bewunderung erbebenden Publikums.

Erneut atmete ich tief ein und aus. Gleich würde die Angestellte an der Kasse einschreiten.
Tat sie dann auch.
Aber so ganz anders als ich es erwartet und erhofft hatte.

„Hahaha, hihihi, wir haben bis um 21 Uhr geöffnet, hihihi hahaha.“

Na dann hat der kleine Enno ja noch genug Zeit, auch den Rest der Zeitschriften zu schreddern, dachte ich.

Enno wurde schließlich von einem der wohlwollenden Kunden zu seiner Mutter gebracht, die eine Sonderrunde vor dem Bäckerstand drehte und huldvoll das Volk grüßte.

Heute las ich im Sonntagsblatt, dass ihr noch am gestrigen Abend ein Orden für besondere mütterliche Leistungen überreicht wurde, dotiert mit einem Preisgelt in Höhe von 5 Millionen Muttergulden und lebenslang kostenlosem Konsum von Mutterkuchen.

Sorry, ich meine natürlich Kaffee und Kuchen.

Eltern Werden ist nicht schwer oder nur manchmal, wenn es einfach nicht klappen will oder soll.
Eltern Sein dagegen sehr.

Es sei denn, man macht es sich ganz einfach, indem man sich für etwas ganz Besonderes hält und aus diesem Bewusstsein heraus andere den Job machen lässt.

Erzieher und Lehrer können ein Lied davon singen!

Mit 80% Spießeranteil grüßt aus der Provinz,

Christine, Mutter!!!!!

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