Wie man sich den Arsch aufreißt oder es einfach lässt

Haben Sie sich zu den Weihnachtsfeiertagen auch wieder den Arsch aufgerissen? Und haben auch Sie wieder nicht die Huldigung erfahren, die Ihnen für Ihre Höchstleitung zusteht?

Spätestens seit dem Dreikönigstag siecht Ihre Hoffnung, dass die undankbaren Nutznießer Ihrer aufopfernden Fürsorge Danke sagen und endlich wertschätzen was Sie leisten, geleistet haben und noch leisten werden.

Herzlichen Glückwunsch.
Sie haben beste Voraussetzungen, sich in Zukunft die Korridore Ihrer Verdauungsprozesse noch gründlicher zu malträtieren. Wahlweise können Sie auch am Groll ersticken, sich ätzende Substanzen wie Neid und Missgunst in die Nase ziehen oder in einem wohltemperierten Burn-Out vor sich hin garen.

Ich habe mir schon sehr oft den Arsch aufgerissen und es lautstark im Kreise meiner Liebsten kundgetan. Seit geraumer Zeit überlege ich, ob ich nicht meinen Lebenslauf auf Insta veröffentliche. Hybris liegt im Trend!

Exkurs: Mal ganz im Ernst, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man sich in eine ausgewachsene Depression katapultiert, weil man sich für alles und jeden verantwortlich fühlt und alle verfügbaren Sinneskanäle auf on stellt.
Und zwar immer!
Unter dem Motto Jesus ist tot aber zum Glück bin ich ja jetzt da, strebt man Harmonie um jeden Preis an.
Man erkennt irgendwann nicht mehr, wo man selbst geblieben ist. Zerflossen im immerwährenden Dienst am Nächsten und in der Annahme, dass man unendliche Ressourcen hat und liefern muss, damit … ja was eigentlich? Man geliebt wird, anerkannt wird, es wert ist gesehen und respektiert zu werden?

Man reißt sich den Arsch auf, immer mehr, und fühlt sich selbst trotzdem als Loser. Es ist nie genug. Um in der Metapher zu bleiben: Man verarscht sich selbst. Denn es ist an Überheblichkeit und Egozentrik nicht zu überbieten wenn man meint, alles regeln zu können, alles machen zu müssen und ständig auf seinen Leistungen ‚rumreitet. Auch hier wieder der Bezug zum Hinterteil.

Irgendwann kann man nicht mehr, der Kragen platz, die Nerven gehen durch und man sagt Worte oder tut Dinge, die den eigenen Werten komplett zuwiderlaufen.

Man verletzt die, die man am meisten liebt. Im schlimmsten Fall bleibt zum Schluss nur verbrannte Erde oder ein Scherbenhaufen übrig, der nicht mehr zu kitten ist.
Worst Case: Man verliert sich selbst.

Dabei ist es den Menschen, die dich lieben und respektieren vollkommen egal, ob du promoviert hast, womit du dein Geld verdienst, was du anziehst und wie groß dein Fernseher ist. Es spielt für die Handvoll Menschen, die dir wahrhaftig nahestehen überhaupt keine Rolle, was du hast. Sie interessiert nur, wer du wirklich bist! Sie wollen dir vertrauen. Sie möchten das glauben, was du Ihnen sagst. Sie wollen dir begegnen und nicht der Rolle, für die du dir den Arsch aufreißt.

Zurück zum satirischen Stil.

Als Mutter und Ehefrau hat man Expertise! Selbstverständlich auch als verkannter Arbeitnehmer! Suchen Sie sich Ihre Lieblingsrolle aus. Sie ist Ihnen in jedem Fall auf den Leib geschrieben.
ICH REISSE MIR HIER DEN ARSCH AUF UND WAS IST DER DANK?

Wir haben es gelernt. Schon unsere Eltern und Großeltern haben sich den Arsch aufgerissen weil wir es einmal besser haben sollten. Sie ließen sich von herrischen Chefs den Arsch aufreißen und rissen ihn sich daraufhin selbst noch mehr auf, um ihre Existenz zu sichern und ihr Dasein zu verbessern. Und wenn wir ihr Bemühen hinterfragten? Alles anders machen wollten und GRÜN wählten?

DU BRINGST MICH NOCH INS GRAB.
Nur Beichte, Entschuldigungen und Strafen konnten Ihrem nahenden Herztod entgegenwirken.

Wer sich den Arsch aufreißt erwartet Anerkennung und Dank für freiwilliges Tun. Bleiben beide aus wird nach einer Entschuldigung gebrüllt. Ich erwarte, dass du dich für dies und das und jedes entschuldigst.

Sorry. Schuld ist ein anderes Thema, geht mir aber genauso auf die Nerven wie die Sache mit dem Arsch.

Ich reiße mir den Arsch nicht mehr auf, denn es ist ein grobes, vulgäres und irgendwie unwürdiges Unterfangen. Um es umzusetzen müsste man sich wohl Dynamit in den Allerwertesten stopfen und die Lunte entzünden.

Fazit: Selbst wenn ich nicht in einer Beziehung wäre, würde ich keinen Arsch aufreißen! Nur wenn ich mich selbst im Spiegel betrachte und den blinden Fleck namens Arsch erkenne, dann möchte ich den Mut aufbringen, ihn zu zerreißen und an seine Stelle einen Samen zu setzen.

Aus diesem Samen erwächst dann eine Blume. Sie ist gelb. Sie gehört zur Gattung Positivling und sie birgt eine wunderbare Gabe in sich.
Wer sie pflegt, dem gehen so überflüssige Dinge wie grundloses Gejammer, Geprolle und Genöle am Arsch vorbei!





2 Kommentare

  1. Ich reiße mir nicht den Arsch auf, das ist so nicht vorgesehen, weil die vorhandene Größe völlig ausreichend ist 🙂

    Sonst so? Wer stets Dank und Anerkennung erwartet, begeht keinen Akt der Selbstlosigkeit, sondern will einen Handel. Und – 51% gehören immer mir, von wegen alles geben oder besagtes Körperteil aufreißen.

    Grüße!

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