Sokrates, Dr. Söder und ich

Heute Nacht war ich im Meeting. Ja Sie lesen richtig. Während Sie auf weichen Kissen schlummerten, war bei mir harte Arbeit angesagt.

Sokrates hatte zum Gespräch geladen. Ganz intim und in kleinem Stuhlkreis in den Räumlichkeiten der hiesigen Kindertagesstätte.

Dr. Söder hatte es eilig, denn er war auf dem Sprung nach Moskau. Gespräche mit Putin, Dialog auf Sachebene, Wichtigkeit der Partnerschaft anerkennen, eigenen Standpunkt dennoch klar vertreten.

Söder lächelte mich an, reichte mir die Hand und bat mir das Du an.
Ich bin der Markus, Servus!

Sokrates betrat den Raum, blickte erst mich dann den Markus an, nickte leicht und sagte:
Es geht um die Wurst.

Dr. Söder, also der Markus, räusperte sich.
Wenn ich etwas konkretisieren darf, Herr Professor Sokrates, geht es um die Analyse und den Konsens mit der Wurst im Hinblick auf die Entwicklung gemeinsamer Ziele in einem gleichberechtigten Gewurschtel unter besonderer Berücksichtigung von Butterbrezn und Weißbier.

So hatte ich das noch gar nicht betrachtet und brachte meinen Kopf philosophisch motiviert in Denkerposition, sprich, ich legte mein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und gab ein HmHm von mir.

Sokrates hatte in der Zwischenzeit eine Bratwurst in die Mitte unseres kleinen Stuhlkreises gelegt und stellte seine typischen Fragen;

Welche Beweise haben wir, dass es sich hier um eine Wurst handelt?
Welche Beweise haben wir, dass es sich hier nicht um eine Wurst handelt?
Und gibt es alternative Wahrnehmungsmöglichkeiten?

Dieser Typ, dachte ich, der hat mich schon während meines Studiums wuschig gemacht mit seiner Fragerei. Nie kommt der auf die Wurst, ähm den Punkt.
Immer muss er diskutieren.

Nach fünf Stunden hatten Sokrates, Dr. Söder und ich uns auf die Definition von Wurst geeinigt und konnten beweisen, dass das, was da auf dem Teppich vor sich hin schrumpelte eine Wurst war, eine Bratwurst.

Sokrates hatte erst nachgegeben, nachdem wir uns in allen Punkten einig geworden waren. Sokrates ist ein echt harter Hund in Sachen Logik, Wahrnehmung und Kommunikation.

Als er in den frühen Morgenstunden unser Meeting verließ, sagte der Markus,
Du, Christine, mein Flug zum Putin geht erst in vier Stunden. Lass uns noch ein Bier trinken und ne schöne Butterbrezn essen. Mit dir kann man sich einfach total gut auf Augenhöhe unterhalten.

Okay, Markus, sagte ich, ließ den Bügelverschluss meiner Bierflasche aufploppen, stieß meine Flasche gegen die vom Herrn Dr. Söder und nahm fünf tiefe Schlucke.

Und, fragte der Markus, wie findest du meine neue politische Richtung, also ich meine wie gefällt dir mein grüner Kurs, meine Freundlichkeit? Ich bin doch ein echt netter Kerl geworden, oder Christine? Würdest du mich wählen, also ich meine zum Kanzler?

Ich biss in meine Brezel, kaute eine Weile, nahm noch einen Schluck aus der Flasche und sagte.

Also nett bist du wirklich, Markus!
Hätte ich nicht gedacht.
Ich habe dich ganz anders wahrgenommen.

Da freute sich der Markus! Und ich freute mich auch.
Wir nahmen uns kurz in den Arm und klopften uns gegenseitig auf den Rücken.

Dann klopfte es an der Tür. Der Fahrer vom Markus wartete.

Und ich musste auch los.
Draußen nieselte es.
Ich zog meine Kapuze über den Kopf und machte mich auf den Weg.
Plötzlich hörte ich das satte Brummen einer Harley, die kurz darauf neben mir stoppte.

Moin Christine, sagte eine Stimme, die ich gut kenne.
Steig auf, ich bringe dich nach Hause.

Danke, antwortete ich, und schlang meine Arme um den attraktiven Körper meines Staatsrechtsprofessors.

„Nicht einmal deine schlimmsten Feinde können dir so viel Leid zufügen wie deine eigenen Gedanken.“

Buddha

Heute Nacht waren meine Gedanken gute Freunde. Denn sie schenkten mir einen lustigen Traum. Und ich weiß, dass da noch was geht im Oberstübchen. Beruhigend irgendwie.

Ach ja, Sokrates hat gerade angerufen und sich für die schöne Nacht bedankt!
Und Doc Söder sendet Grüße aus Moskau 😉

 

 

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