Warum der Kopf voll und das Ende immer offen ist

Kennen Sie das auch? Sie lesen ein Buch oder schauen eine Serie. Es ist spannend und Sie tauchen tief in die Geschichte ein. Sie leben das Leben des Protagonisten mit, fühlen sich ein, riechen, schmecken, lachen, weinen und dann kommt das dicke Ende. Es ist offen.
Ein offenes Ende! 
Entsetzt, verwirrt und mit vielen Fragen lässt man Sie allein zurück mit Warum jetzt? Warum so? Wie konnte es dazu kommen? Geht es weiter? Wie geht es weiter? 

Sie kennen das. Sie leben ein Leben. Ihr Leben. Sie fühlen, riechen, schmecken, lachen und weinen, lernen vielleicht etwas und dann kommt das dicke Ende. Es ist offen. 

Sollen Ihre letzten Fragen dann sein Warum jetzt? Warum so? Wie konnte es dazu kommen? 

Wir wissen, dass es ein Ende geben wird. Im Buch wie im Leben. Und es ist immer offen, wann das Ende kommt, wo es kommt und wie es kommt.

Manche sagen, man solle gehen, wenn es am schönsten ist.
Ich fand das schon immer blöd. Warum soll man die schöne Zeit beenden, bevor sie ein natürliches Ende findet?

Andere behaupten, dass man da durch muss und wer A sagt auch B sagen sollte.
Ich frage mich und Sie, wo muss man wirklich durch? Und meines Wissens hat das Alphabet mehr zu bieten als A und B.

Freigeister müssen prinzipiell n‘ Scheiß, kommen um’s Ende aber auch nicht herum.

Und unsere drolligen Negativgrübler beißen die Zähne zusammen und halten durch bis zum bitteren Ende, was muss das muss, irgendwie alles Scheiße aber so ist das eben.

Ehrlich gesagt ist mir ein offenes Ende lieber als ein bitteres, noch dazu wenn dazwischen alles irgendwie nicht meins war und ich immer und überall was zu nörgeln hatte.

Am Ende möchte ich sagen können, dass es schön war, obwohl es manchmal bitter, anstrengend, langweilig und traurig war. 

Meine Geschichte soll am Ende meine Geschichte sein. Trotz allem und gerade deswegen.

Wenn aber der Kopf so voll mit Fragezeichen ist und sich Gedanken jagen wie die Katze ihren eigenen Schwanz, was dann? Dann erkennt man nicht mehr, was die eigene Geschichte ausmacht. 
Anstatt im Hier und Jetzt zu leben und ruhig Fünfe gerade sein zu lassen, einfach mal zu machen, dümpelt man im morastigen Warum der Vergangenheit. 

Die Grübelei, die uns so anstrengt und zermartert macht uns zu Abhängigen eines vorzeitigen Endes. Das Ende von Freude, das Ende von Zuversicht und Hoffnung, das Ende von Gelassenheit und Humor.

Sie können Bücher lesen, in denen Ihnen erklärt wird, was da in Ihrem Kopf passiert, welche Hormone daran beteiligt sind und welche Synapse es wieder nicht packt, sich ordentlich zu verknüpfen.
 
Sie können atmen, meditieren, sich einen Therapeuten suchen oder sich neue Schuhe kaufen.
Sie können machen was Sie wollen. Sie bestimmen, was Ihnen hilft. 

Denken ist ein Supertalent, das nicht jeder hat. Wenn Sie es haben, dann setzen Sie es für sich ein. Am besten so, dass Ihr Kopf warmläuft aber nicht schmerzt oder zerbricht. Gute Gedanken sind freundlich! 

Grübeln ist etwas ganz anderes als Denken. Grübeln ist ein destruktives Arschloch, das Kopfschmerzen und Magenverstimmungen macht. Grübeln macht aus Ihnen einen Junkie. Schmeißen Sie das Biest raus!

Meine persönliche Methode ist ein Mix aus Atmen, Konzentration, Musik mit Kopfhörern hören und dabei die Augen schließen.
Manchmal löse ich einen juristischen Fall für Dummies oder räume alles aus meinem Kleiderschrank heraus, was nichts mehr darin zu suchen hat.

Wenn Sie zu viele Gedanken und Muster in Ihrem Kopf haben, dann schmeißen Sie die heraus, die dafür sorgen, dass Sie sich verspannt, wertlos, unsicher und ängstlich fühlen.

Paul Broks ist Neuropsychologe.
Gerade habe ich eines seiner Bücher gelesen. Er beschreibt die Krebserkrankung und den Prozess des Abschieds von seiner Frau Kate. Sie wurde 57. Dann war Ende.

„Kate beschwor mich in ihren letzten Tage, ich solle mich dem Wunder, einfach am Leben zu sein, öffnen – Du weißt nicht, wie wertvoll das Leben ist. Du denkst du wüsstest es, aber du weißt es nicht. 
Lass dich nicht täuschen, sagte sie. Wach auf aus deinem Traum, reib dir den Schlaf aus den Augen und sieh.
Es waren ungleiche Tode, aber auf verschiedene Weise führten sie uns zum Kern genau der Frage, die für die Stoiker von fundamentaler Bedeutung war: Wie soll ich leben?“
(Broks, Paul, Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne,  C.H.Beck, 2019, S. 162) 

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Vielleicht lebst du dann allmählich,
ohne es zu merken, eines fernen Tages
in die Antwort hinein.
(Rainer Maria Rielke)


Don’t Panic just follow.
Bleiben Sie heiter.

Ein Gedanke zu “Warum der Kopf voll und das Ende immer offen ist

  1. Liebe Christine, es stimmt, das Leben ist voller „loser Enden“ und die Geduld auch für mich eine Lebensaufgabe.

    Freut mich, dass dir meine Schreibe gefällt – vielen Dank fürs verlinken 🙂👋

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