Chill mal Lotte. Wie wir unsere Ehe gerettet haben.

Sind Sie auch ein Freak? Ein Liebesbeziehungsfreak? Also ich bin einer. Verliebtsein bis zum Durchknallen, Sex ohne Ende, Wahre Liebe, Happy End.
Ach es kann so schön sein! Und in diese wunderbare Vorstellung von Romantik knallt dann rücksichtlos das Duo Infernale: Theorie & Praxis.

Mein Mann und ich sind seit über dreißig Jahren verheiratet. Wir haben damals nicht lange gefackelt.
Sechs Monate reichten uns bis zum Jawort.
Nach heutigen Maßstäben ist das natürlich ein Wahnsinn.
Heute braucht die Braut für die Auswahl und das Anpassen des Kleides allein schon vier Monate. 

Damals fragte meine Mutter meine Oma, was sie denn von dieser sehr schnellen Eheschließung hielte.
Meine Oma meinte, nach einem halben Jahr würde man sich gut genug kennen und könne einschätzen, wie der andere tickt.

Ich erinnere mich gut an die Warnzeichen in meinem Kopf, was die zwei Macken meines Mannes anging. Eine ist zum Beispiel, dass er behauptet, gar keine zu haben.
Nun ja. 

30 Jahre sind eine lange Zeit. Es gab viele kleine und schwere, große Krisen, die fast in eine endgültige Trennung geführt hätten.
Wir saßen da und wussten überhaupt nicht mehr, wie wir jemals wieder zueinanderfinden sollten.
Aber offensichtlich wollten wir!

Ich habe heute keine Ahnung mehr, worum es wirklich ging. Wahrscheinlich Überforderung, Angst, alte und neue Verletzungen, Selbstwert in den Kinderschuhen,  Perfektion, Verantwortung und vor allem Kollisionen in Sachen Kommunikation.

Es gibt dieses Buch mit dem Titel Lieben Sie sich selbst und es ist egal, wen Sie heiraten.
Darin liegt so ziemlich des Pudels Kern, ergänzt um Angstfrei sagen können, was los ist oder Raus aus der Opferrolle oder Scheiß auf Perfektsein.

Mein Mann und ich  haben auch weiterhin unterschiedliche Meinungen, verschließen uns eigenbrötlerisch voreinander und regen uns über Kleinigkeiten auf. 

Aber wir haben gelernt, Konflikte leichter zu nehmen. Wir haben gelernt, ehrlicher miteinander umzugehen, nicht alles persönlich zu nehmen und uns etwas zuzumuten.

Wir haben gelernt, die schweigende Verschworenheit alter Paare zu genießen. Und wenn unsere Krisen, die nach Aussage meines Mannes vor allem meine Krisen waren, weil er ja (siehe oben) keine Macken hat, für etwas gut waren, dann für den aktuellen Zustand unserer Ehe.

Wir halten es sehr gut miteinander aus. Das hört sich nach einem Kompromiss an? Nach Langeweile und Spießigkeit? Sowas will man nicht?
So What!
Weder ich noch mein Mann zweifeln an uns als Paar! Wir wollen uns. Und dazu gibt es keine Alternative. 
Wenn es ein Kompromiss ist, dann ein sehr guter.

Wir haben ein gutes Leben miteinander. Wir sind gesund und fit.
Wir dürfen gesicherte Verhältnisse genießen. Wir sind füreinander da und haben den Raum, unser eigenes Ding zu machen. 

Aus heutiger Sicht war sehr viel Leid und Schmerz selbstgemacht. Und heute würde ich mich in einer Krise, aus der man kaum noch allein oder nur unter sehr hohem Energieaufwand herauskommt, eher trauen:

 1. Hilfe zu holen.
Das muss keine Therapie im großen Stil sein.
Es kann jemand sein, dem beide Partner vertrauen und der einigermaßen neutral ist.

Schließlich laufen wir auch nicht monatelang mit einem gebrochenen Arm herum, nur weil uns der Zeitpunkt des Bruchs zu früh oder zu ungeeignet erscheint.
Sich helfen zu lassen ist nicht einfach.
Man muss über seinen Schatten springen und sich von der Überheblichkeit alles selbst schaffen zu können verabschieden.

Ein Schritt der Mut und Mitmachen erfordert. Keine Frage. 

2. Gute Kommunikation üben.
Mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören und mit dem Herzen des anderen spüren.
Empathie ist kein emotionaler Weichspüler, sondern ein Tool, das erlernbar ist.

– Zuhören und den anderen aussprechen lassen.
– Unterstellungen und Mutmaßungen weglassen.
– Themen sortieren und nacheinander abarbeiten.
– Bedürfnisse formulieren und klären, ob man ein gemeinsames Ziel hat, das man auf unterschiedlichen Wegen erreichen will oder ob es umgekehrt so ist, dass man unterschiedliche Ziele hat aber durchaus einen gemeinsamen Weg.

3. Aufhören, uns für den anderen zu verbiegen.
Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Ganz im Gegenteil. Jeder hat eigene Bedürfnisse. Lebendige Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass man eine Schnittmenge hat, die sich aus den persönlichen Freiheiten speist.
Wir haben uns ineinander verliebt, weil wir waren wie wir waren. Und vor allem waren wir frei. Und daran sollten wir uns immer wieder erinnern.

4. Das einzige Opfer, das man in einer Beziehung zu bringen bereit sein muss, ist der Kompromiss.
Und die Bereitschaft damit leben zu können, dass es manchmal keine Lösung für ein Problem gibt.
Dass der Partner sich nicht komplett ändern wird.
Dass man zu hohe oder erlernte Erwartungen loslassen muss.
Und dass es trotzdem oder genau deshalb ein gute Beziehung sein kann.
Geben und Nehmen. Sich Fallenlassen und Auffangen.

Bleiben Sie heiter und zuversichtlich und lassen Sie Lotte chillen. Dann klappt’s auch mit dem Hund. Oder so.

Schönes Wochenende und Ciao. Design ohne Titel (2)




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