Wen haben Sie denn in die Schublade gesperrt?

Ich kenne die. Das ist eine ganz falsche Person. Total hinterhältig und verlogen, sprach sie und bemerkte erst dann meine Anwesenheit. Ich war erstaunt und guckte auch so. Die Frau vom Dachdecker. Schau an.

Dass ich mit der hellsichtigen Dame noch nicht einen Satz gesprochen habe während der vielen Jahre, die ich in diesem toleranten und weltoffenen Dorf lebe, spielt ja keine Rolle.

Wahrscheinlich war ich Thema bei irgendeinem Kaffeeklatsch der hiesigen weiblichen Dorf High Society, weil ich etwas gesagt oder getan habe, das auf eine verlogene und hinterhältige Art schließen lässt.
Wer nicht dabei ist, ist es umso mehr.

Ich habe bis heute keine Ahnung.

Möglicherweise bin ich falsch und hinterhältig, weil ich eine Zugezogene bin, die aus dem Hinterhalt den alteingesessenen Dorfmenschen die Brötchen vor der Nase wegschnappt.

Vielleicht macht es mich zur Bedrohung, weil ich ungeschminkt beim Bäcker auftauche?
Bedrohung durch fehlenden Lippenstift? Angst vor der ungeschminkten Wahrheit? So unter dem Motto: Oh mein Gott, so sehe ich ja auch aus, wenn ich mich nicht schminke.

I don’t know.  Ich weiß nicht, was falsch an mir ist. Oder falscher als an anderen.
Es ist auch unwichtig. Eigentlich. Aber mich verletzt sowas trotzdem.

Nein, tut mir leid aber wir hier nehmen niemanden auf, den wir nicht kennen, war die erste Freundlichkeit die ich an diesem sozialen Vorzeigeörtchen erhielt als ich versuchte, mich über eine Mutter-Kind-Gruppe zu integrieren.

Und so könnte dieser nette Post mit vielen weiteren Anekdötchen wie ein Quell dahin plätschernder Vorurteile fortgesetzt werden.
Wird er aber nicht!

Vorurteile sind die Vorstufe von Hass.

Jeder von uns lästert über andere! Das ist in gewissem Maße menschlich und sozialer Kitt.
Schwamm drüber.

Wenn du weißt, dass ich weiß was du über mich und ich über dich gelästert habe, dann sind das beste Voraussetzungen für ein gemeinsames Bier.
Ja ich meine dich!
Dann kannst du mir von dir erzählen und ich dir von mir. Endlich mal. Ehrlich und transparent wenn’s geht. Dann haben wir eine Chance, gemeinsam das Glashaus zu verlassen, in dem wir schon viel zu lange sitzen.

Wenn wir aber Lästereien und Vorurteile nicht dazu nutzen, neu zu denken, aufzumachen, zu lernen und zu erkennen, dass Schubladendenken ausgrenzt, beschränkt und Angst schürt, dann wird es brenzlig. Dann ist es brenzlig!

Wir alle haben Vorurteile! Und wir alle müssen Vorurteile abbauen.

Testen Sie sich!

Achten Sie mal darauf, wie schnell sie die Schublade aufmachen und jemanden reinstecken und ihm damit jede Chance verweigern, seine Vielfalt und Wahrheit zu zeigen.
Spüren Sie mal, wie schnell sie darin sind, Situationen einen Stempel aufzudrücken.

Unconcious bias. Entscheidungen werden aufgrund von unbewussten Vorurteilen anstatt von Beweisen getroffen.

Ich halte mich an Taylor Swift, die ich bis gestern für eine blondes, überdrehtes US-Girlie hielt, das ein bisschen Mainstream singt.
Sie war drin in der Schublade Oberflächlichkeit,  Generation Me, selbst bezogen, verzogen, perfektionistisch, Glitter, Glamour.

Gestern habe ich mir auf Netflix Miss Americana angesehen einen Film mit ihr und über sie und ihr Leben.

Ich möchte so fortschrittlich wie möglich sein was den respektvollen Umgang mit Menschen angeht.

Das sagt Taylor Swift. Eine Frau und Musikerin die jeden ihrer Songs selbst schreibt, die seit ihrem zwölften Lebensjahr Musik macht, die gelernt hat, dass nett sein und gefallen wollen um jeden Preis in eine Falle der Abhängigkeit führt.

Ich habe gestern eine Frau gesehen, die diszipliniert arbeitet, zu sich selbst steht, Ängste  überwindet, Emotionen zulässt, hinfällt, aufsteht, die erwachsen und politisch ist.

Eine große Frau in jeder Hinsicht mit Biss, dünner Haut und offenem Herz!

Und wer sitzt in ihrer Schublade? Lassen Sie doch mal wieder Luft in ihre alte, muffige Kommode und öffnen Sie: sich und die Schubladen!

 

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