Good News

Ich habe mir fest vorgenommen, heute nicht über ignorante Viktualienmarkt-Champagner-Schlürfer zu schimpfen.

Auch die supercoolen Besserwisser, die meinen, dass Wissenschaftler und Politiker total übertreiben und sowieso keine Ahnung haben, stelle ich heute nicht in den Mittelpunkt.

Den maulenden Verschwörungstheoretikern und ihren Anhängern soll hier und heute ebenfalls kein Forum geboten werden.

Und last but not least ignorieren wir auch die renitenten Schülergruppen, die Frühlingspartys in Parkanlagen feiern anstatt mit dem Hintern zuhause zu bleiben und sich ausnahmsweise mal nicht nur um sich, sondern um andere zu kümmern.

Man könnte allerdings auf die Idee kommen, dass es sinnvoll ist, die diesjährigen Abi Klausuren komplett ausfallen zu lassen und stattdessen ein Jahr zum Nachreifen auf die Agenda zu setzen, mit einem Praktikum im Krankenhaus zum Beispiel?

Learning by doing.
Wer nicht begreift, dass er zuhause bleiben soll, weil andere nicht zuhause bleiben können, weil sie sich bis zum Umfallen um kranke und infizierte Menschen kümmern, dem hilft vielleicht ein Sprung in die Praxis, um mal klarzukommen.

Aber okay.
Anstatt zu jammern und zu zetern nur kurz gefragt: Habt ihr, die ihr euch vehement weigert, die Lage zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend zu handeln, noch alle Hühner auf dem Balkon? alle Latten im Zaun? oder, auch sehr schön und abgekupfert von Hendrik Wieduwilt, noch alle Delphine im Becken?

Ist es wirklich eine so große Herausforderung zuhause zu bleiben und nur das einzukaufen, was man wirklich braucht?

Wie wär’s denn, wenn man zur Abwechslung mal denen glaubt, die Ahnung von dem haben, was sie tun und ihnen anstatt irgendwelchen Influencern und selbstverliebten Pseudowissenschaftlern zu folgen?

Was wollte ich heute eigentlich schreiben? Ach ja. Die guten Nachrichten!
Die gute Nachricht ist, dass es, jedenfalls hoffe ich das, nur eine Minderheit ist, die die Lage gerade so gar nicht rafft.

Jetzt aber wirklich zu den absolut positiven Highlights in all dem Genöle.

Mein Mann ist im Homeoffice! Das ist toll, denn das heißt, dass wir bis auf Weiteres keine Hemden mehr bügeln müssen.

Meine Eltern sind gesund und munter und vor allem sehr vernünftig und gehen nur noch im Garten spazieren, immer um den Teich herum, streiten sich wie eh und je um Kleinscheiß und wissen sehr genau, was sie seit mehr als 55 Jahren aneinander haben.

Franzi ist approbierte Tierärztin und hat ihren ersten Job! Hurray. Das ist eine super Sache, da freut sich das Familiengetier!

Der Schwiegersohn freut sich auch über sein neues, knallrotes Rennrad und ich freue mich über seinen Optimismus, den geplanten Triathlon im Sommer wuppen zu können.
Optimismus ist eine sehr gute Eigenschaft in Krisen.
Bitte nicht zu sehr dramatisieren, machen, was zu machen ist, machen was geht. Krise? Welche Krise?

Und dann sind da „unsere Lüneburger“, die gestern verkünden konnten, dass ihre Wiskyvorräte auf jeden Fall Corona überstehen wenn nicht gar ausrotten, wahrscheinlich auch über die zweite und dritte Epidemie Welle hinweg.
Und während im Lüneburger Homeoffice fröhlich geschunkelt wird, legen die Nachbarn das Toilettenpapier vor die Tür. Was will man mehr in Zeiten, die Corona heißen?

Die Grenze zu Polen ist zwar geschlossen aber es besteht auch hier die große Hoffnung, dass schon bald blühende Kartoffelfelder hüben wie drüben zu ungeahnten Versorgungsquellen werden, Danke Steffen, für dein engagiertes Coaching und diese fantastische Nachricht.

Und sonst noch?
Mütter in Risikogruppen lernen, per Whatsapp zu telefonieren.
Nachbarn räumen endlich mal ihren Garten auf, weil sie jetzt Zeit haben.
(Das ist ein Insiderscherz. Der Garten unserer Nachbarn sieht immer total tip top aus)

Bleiben Sie gesund! avanciert zum Wort des Jahres.
Und ich bekomme mit etwas Glück heute ein Kilo Mehl vor die Tür gestellt, damit ich endlich Apfelpfannkuchen backen kann, was manch einem in Quarantäne befindlichen Familienmitglied das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.

Hinter jeder neuen Zahl, die vom Robert Koch Institut, der John Hopkins Universität und den Börsen der Welt veröffentlicht werden, stehen Menschen mit Geschichten.

Und genau das ist es, was wir vielleicht aus dieser Krise lernen können. Dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Dass es Menschen sind, die unsere Gesellschaft zu dem machen was sie ist. Dass wir es sind, die aus diesem Dilemma lernen und kreativ werden können und müssen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bleiben wir gesund und optimistisch und freuen uns darüber, dass sehr kluge Köpfe vielleicht schon im Frühsommer einen Impfstoff testen können.

Bleiben Sie zuhause wenn Sie können.
Wenn Sie es nicht können, Danke für Ihren Einsatz!

3 Kommentare

  1. Was mich derzeit WIRKLICH unsicher macht ? Ich weiß gerade nicht, ob ich zur Gruppe der Besserwisser, der Nörgler oder wer weiß wohin zählen soll. Aber EGAL (auch so`n Wort), ich setze mich nachher aufs Rad`l und nutze die Gelegenheit, mal darüber nachzudenken, nicht doch noch den Kartoffelanbau zu lernen….

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  2. Gute Nachrichten für uns gibt es viele! Nach 3 sehr stressigen Monaten ist mein Mann nun endlich zu Hause, was uns alle sehr glücklich macht. Es fühlt sich ein bisschen wie eine Widergutmachung an, nun so viel Ruhe verordnet zu bekommen. Wir haben auch den Besuch mit unserem Kind in der Notaufnahme gut überstanden. Atemnot wegen Pseudo-Krupp (kein Covid 19!) … überhaupt war das Krankenhaus überraschend leer.
    Nun läuft jeder Tag nach einem von uns allen für gut befundenen Plan ab und Beschäftigung und Entspannung wechseln sich ab. Ein bisschen wie in Kur, meinte ich heute zu meinem Mann.
    Ansonsten fällt mir auf, dass wir eher störunanfällig leben. Vorratshaltung in sinnvollem Rahmen gegeben, einfach, weil ich nicht gerne oft einkaufe, darüberhinaus improvisiere ich auch mal gerne.
    Auch das haarige Thema regeln wir schon länger zu Hause, weil sich unser Kleiner von Fremden nicht anfassen ließ und dazu schon sehr früh eine unglaubliche Matte auf dem Kopf hatte. An die Premiere erinner ich mich noch gut. Kleines Pausbackenbübchen im Hochstuhl, vor sich die erste Sendung Micky Maus seines Lebens, hinter sich die Mama mit einem kühlen Notpils für etwas mehr coolnesss… als ich dann irgendwann die billige Haarschere aus dem Supermarkt gegen eine hochwertigere Friseurschere austauschte, eröffneten sich ganz neue Dimensionen. Ich wollte den lahmen Bob, den mir meine Friseurin verpasst hatte nur aufpeppen, bin dann tatsächlich aber nie wieder hingegangen.
    Was ist noch positiv – ich freue mich darauf, Anfang April meine Strauchrose, die ich letzten Winter gekauft habe, auf dem Balkon „aus“zupflanzen. Ich hatte genau diese Rosensorte schon einmal vor vielen Jahren, konnte sie wegen eines weiten Umzugs nicht mitnehmen. Nun treibt sie ihre ersten Blätter und ich freue mich unbeschreiblich darauf, sie wieder blühen zu sehen. Sie heißt übrigens „La rose du petit prince“ (Die Rose des Kleinen Prinzen)

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    1. Pseudo Krupp Nächte! Oh ja. Die hatten wir auch. Mit feuchten Laken, Inhalation und guten Nerven.
      Den Bob hatten wir ja schon an anderer Stelle zur perfekten Frisör gekürt, wahrscheinlich auch deshalb, weil man sie so gut selbst „aufpeppen“ kann; und dass es eine sehr gute Nachricht ist, wenn der Mann wieder nach Hause kommt, das teile ich – sogar in Zeiten von Homeoffice.

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