Warum wir uns nicht alles in den Mund stecken sollten

Seuche und Rassismus feiern eine ausschweifende Corona-Hochzeit.
Als Location fiel die Wahl auf Rossmann hier im Dorf.
Sehr klug, denn dort gibt es auch noch Klopapier, jedenfalls für die Mitarbeiter.

Es versteht sich von selbst, dass natürlich nicht jeder an diesem Fest teilnehmen kann.
Eingangskontrolle. Klar.

Und so verwehrten Mitarbeiter der hiesigen Rossmann Filiale einer dreiköpfigen Familie den Zutritt in den Laden, da man nur eine begrenzte Anzahl von Kunden aus Sicherheitsgründen einlassen dürfe.

In Zeiten wie diesen ist das eigentlich kein Aufreger, denn schließlich kümmern uns Freiheit und sonstige Rechte im Moment eher weniger.

Und wenn die Sonne scheint ist es gut für das Immunsystem, sich draußen aufzuhalten. Irgendwann ist man an der Reihe.

Die Familie wartete also auf Einlass beobachtete aber, dass andere Wartende vorgelassen wurden.

Auf wiederholte Nachfrage des Familienvaters, wann sie denn nun einkaufen dürften, wurde der Zutritt ins Geschäft mit dem Hinweis auf Sicherheitsvorschriften weiterhin verwehrt.
Die dreiköpfige Familie hat dunkle Haut, die Vorgelassenen haben helle Haut. Der Mann arbeitet als Betreuer und wollte Einkäufe für seine Klientin machen.
Bei Rossmann ist ihm das nicht gelungen.

Laut Zeitungsbericht des Haller Kreisblattes von heute  gibt es unabhängige Zeugen für diesen Zwischenfall.

Aus dem Hause Rossmann kommt keine Entschuldigung, geschweige denn eine schlüssige Erklärung.
Die Mitarbeiter stünden unter Stress und es habe sich um ein Missverständnis gehandelt.

Klar. Rassismus war und ist ein großes Missverständnis! Und wenn man gerade Stress, Angst oder andere Zipperlein hat, dann verbrennt man eben auch mal ein paar Juden weil die fremd und anders und verantwortlich für Pest, Zinsen und alles andere Unheil sind.

Geht’s eigentlich noch? Und by the way, wenn  nur noch 25 Kunden gleichzeitig im Laden sind und Lieferungen ohnehin auf sich warten lassen, wo ist dann der Stress?

Die Pest trat in ihrer auch heute noch vorhandenen Form im 13. Jahrhundert auf. Das waren dunkle Zeiten geprägt von Aberglaube, Angst und Misstrauen.
Hygiene war nicht vorhanden. Bildung auch nicht. Lesen und schreiben konnten nur die Mönche!

1987 war keine so dunkle und unaufgeklärte Zeit mehr. Viele konnten lesen und schreiben, etliche machten sogar Abitur mit richtigen Prüfungen.
Man könnte also durchaus behaupten, die Aufklärung hatte sich durchgesetzt.

Was bayrische Politikerkreise nicht davon abhielt zu überlegen, Menschen die an Aids erkrankt waren, im Genitalbereich zu tätowieren und in abgeschlossen Heimen zu internieren. Die Schwulen waren selbst Schuld!

Der Name für derartige Einrichtungen ist doch Konzentrationslager. Richtig? Sagen Sie mir, wenn ich mich irre.

Was passiert, wenn jetzt, 2020, die Beatmungsbetten in unseren Kliniken wirklich knapp werden und Ärzte entscheiden müssen, wer weiter behandelt wird und wer nicht?
Die Triage. Fast schon perfide, welche Bedeutung ein eigentlich so elegantes Wort hat.

Ich hoffe, dass Rassisten nicht über Leben und Tod entscheiden.
Und dass sie auch sonst nichts entscheiden! Gar nichts. Noch nicht mal als Türsteher bei Rossmann.

Apropos entscheiden: Schon vor Corona fehlten 50.000 Pflegekräfte. Schon vor Corona war die Wirtschaft nervös. Schon vor Corona gab es weltweite Pandemien! Und zwar viele.

Wir haben es zwar mit einem neuen Virus zu tun, gegen den es noch keinen Impfstoff gibt. Aber wir sind nicht unerfahren in Sachen Pandemie!

Seuchen gibt es schon sehr lange!
Und ihr Ausbruch hat nichts mit religiöser Überzeugung, sexuellen Vorlieben oder Hautfarbe zu tun.

Viele große Seuchen wurden von wildlebenden Tieren auf Menschen übertragen und trafen auf geschwächte Systeme und ungenügende  Hygienezustände.
Alle großen Seuchen stehen im Zusammenhang mit Handel und Kolonialisierung.

Weltweiter und schneller Handel macht auch die Verbreitung von Viren weltweit und schnell!
Und wenn man das weiß, und eigentlich weiß man das seit vielen Hundert Jahren, dann verstehe ich nicht, dass man immer noch meint, dass uns das nicht passieren kann.

Doch. Es passiert. Und es wird wieder passieren! Pandemien wie Corona werden sich öfter und stärker einstellen.
Weil der Handel boomt, Massentierhaltung und Fleischkonsum mit boomen und die Lust auf exotische Reisen und den Verzehr exotischer Tiere ins Unermessliche steigt. Und weil alles billig, billig und noch billiger sein muss.

Wir sind gerne in asiatischen und afrikanischen Ländern unterwegs und posten das leckere Essen aus den Straßenküchen!
Wow, diese Vielfalt! Ein Traum! Und so günstig! Und manchmal macht es dann Fieber, Husten und tot.

Es wird eines Tages auch ein Medikament oder einen Impfstoff gegen Corona geben!
So wie es inzwischen auch Impfstoffe und Medikamente gegen Ebola und Aids gibt.

Vielleicht sollten wir trotzdem aufhören, uns wirklich alles in den Mund zu stecken nur weil es geht.

Und Rassismus geht in keinem Fall, schon gar nicht als Seuche.

One Comment

  1. Steffen Z.

    Schon krass, welche Gesichter sich in unserem schönen Europa nun zeigen. Der Grenzverkehr für Waren jeglicher Art von und nach Polen bleibt weiterhin nahezu uneingeschränkt möglich; polnische Ärzte (und davon gibt es in unseren Krankenhäusern vor Ort sehr viele) suchen aber gleichzeitig dringend nach Wohnungen, weil ihnen das berufliche Pendeln untersagt ist —UNFASSBAR.

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