Für die normale Durchschnittsfrau

Kürzlich stieß ich während der Suche nach Frauenliteratur auf den Kommentar zu einem Buch mit dem Titel Wir wollen es nochmal wissen.

In dem Buch beschreiben mehr oder weniger bekannte Damen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wie sie mit über 60, also mit dem Eintritt ins Rentenalter ihrem Leben einen neuen Kick geben.

Die kommentierende Leserin schrieb: Ein Buch, das leider nur über Promifrauen berichtet, die gesellschaftlich einen Bekanntheitsgrad haben und dadurch leichter neue Ideen im Alter verwirklichen können.
Die normale Durchschnittsfrau kommt darin nicht vor! Schade.

Ich dachte, wie cool, eine Leselücke! Ich schreibe ein Buch für genau diese Frauen. Normale Durchschnittsfrauen. 

Doch was ist normal? Was ist eine Durchschnittsfrau?
In Deutschland leben 41 Millionen Frauen! Übrigens sind wir mit 2 Millionen in der Überzahl gegenüber unseren lieben Männern. 41 Millionen Unikate, InDIViduEN.  41 Millionen Geschichten. Wie finde ich heraus, was eine normale Durchschnittsfrau ist?

Gut dreieinhalb Millionen von uns benutzen mehrmals täglich einen Lippenstift und unsere Lieblingscreme ist Nivea.

Wir bekommen mit 30 unser erstes Kind, im Durchschnitt bekommen wir 1,38 Kinder, was bildlich ein bisschen lustig und gruselig gleichermaßen ist.

Unsere durchschnittliche Körpergröße pendelt sich bei 1,68 ein, wir sind 69 Kilo schwer und haben leichtes Übergewicht.

Und ich stelle gerade fest, dass ich nach diesen Definitionen ein Mann bin, und zwar exakt, wenn wir es an Größe und Gewicht festmachen wollen. Denn der durchschnittliche Mann ist 1,78 groß und etwas mehr als 80 Kilo schwer.

Und auch in 2020 sind wir in Sachen Gleichstellung noch ein ganzes Stück vom Ziel entfernt.

Soviel zur Statistik.

Brauchen wir einen Bekanntheitsgrad, um das zu verwirklichen, was uns am Herzen liegt? Müssen wir prominent sein, um kreativ, caritativ oder wie auch immer gelagert unser Leben so zu gestalten, dass wir es als erfolgreich anerkennen können?

Klar ist es einfacher, wenn man jahrzehntelang in Politik, Kultur oder allgemein in großer oder kleiner Öffentlichkeit unterwegs war, seine Projekte und Anliegen bekannt zu machen und Unterstützer zu finden.
Öffentlichkeit und Netzwerke sind Gold wert für die Frauen, die damit etwas anfangen können!
Aber es ist keine Voraussetzung!

Wir „normalen“ Frauen, ich schließe mich zu 100 Prozent ein, müssen aufhören, unsere Lebensleistungen klein zu reden und uns damit selbst zu blockieren.

Natürlich spielt es eine Rolle, wo und wie wir leben, ob auf dem Land oder in der Stadt.
Es spielt eine Rolle, über welche finanziellen Mittel wir verfügen, ob wir allein oder in einer Partnerschaft leben, ob wir gesund oder krank sind.

Ich hadere immer wieder mit mir und schiele auf Frauen in meinem Alter, die in Aufsichtsräten sitzen und etwas im Leben vollbracht haben, das ich für mich als Karriere definiere.

Dann passiert etwas, das mir überhaupt nicht behilflich ist, sondern mir schadet!
Ich verliere Energie, ich fühle mich wie eine Lusche und als normale Durchschnittsfrau vollkommen ungenügend.

Das muss aufhören! Durchschnitt ist die Mitte! Und aus einer starken Mitte heraus kann man viel erreichen und bewegen.

Ich möchte mich von den Erfahrungen anderer, öffentlich erfolgreicher Frauen inspirieren und ermutigen lassen, anstatt in Neid und Groll über verpasste Chancen zu erstarren. Solidarität ist keine Einbahnstraße!

Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Phasen hat!
Der erste Schritt in eine stimmige und lebendige Lebensphase ist, sich seine eigenen Erfolge klar zu machen. Schritt für Schritt!
Und dann können wir mit allen Entscheidungen Frieden schließen!

Machen Sie sich klar: 41 Millionen Frauen! Jede mit Eigenschaften ausgestattet, die in ihrer Zusammensetzung einmalig sind.

Wir haben keinen Grund, nach einem Promistatus zu schielen!
Oder uns zu schämen, weil wir uns dafür entschieden haben, viele Jahre als Hausfrau und Mutter dafür zu sorgen, dass die Familie ein sicherer und gut versorgter Ort ist.

Für die Millionen von normalen Durchschnittsfrauen ist ein Buch ganz und gar ungenügend. Da gebe ich der kritischen und enttäuschten Leserin Recht.

Denn es müssen  41 Millionen Bücher werden. Mit 41 Millionen Lebensgeschichten, die alles bergen, was ein Frauenleben zu bieten hat. Und das ist sehr viel. Wir müssen es nur transparent machen auf allen möglichen Ebenen!

Auf geht’s Ladies und natürlich auch Gentlemen.

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Christine,
    wieder ein sehr toller Beitrag! Und du hast so Recht! Ich habe das Gefühl, dass diese Unsicherheit und das Vergleichen mit anderen scheinbar „besseren“ Frauen für uns Frauen vollkommen selbstverständlich geworden ist. Dabei haben wir zum Teil den Blick für unsere eigenen Stärken verloren.

    Liebe Grüße
    Nicole

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  2. Bin zwar keine Frau, tue aber trotzdem mal meine Meinung dazu kund (Danke, dass ich dies hier darf): “ …die da oben, die da unten…“, für „den kleinen Mann“, „das normale Volk“ hört man aus meiner Sicht viel zu oft und ist ziemlich unwürdiges Gesabbel. Fragt man einen Maurer, was das wichtigste an einem Haus ist: „Na Mensch, das Fundament. Ohne das geht gar nix!“ Orientierung an sich selbst, dass man zufrieden ist mit dem Wissen, gegeben zu haben was man geben konnte und danach ohne Reue auch die Erfolge seines Tuns zu feiern, das ist für mich ein wesentlicher Teil persönlichen Lebensglücks.

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