In Memoria

Die Nachricht kam plötzlich und unerwartet. Das erste Gefühl war Leere, gefolgt von Schockstarre.
Sprachlos, fassungslos!

Fünfundzwanzig Jahre kannten wir uns, es war Freundschaft und es war selbstverständlich, dass du da bist. Und du warst immer da, wenn man dich brauchte.

Nichts ist selbstverständlich. Du nicht. Das Leben nicht.

Erinnerungen blitzen auf. Bilder, kleine Geschichten gemeinsamer Erlebnisse. Wir sind zusammen verreist, Rom, Nizza, Zypern, Prag, Segeln vor Malle. Wir haben zusammen gefeiert.

Wie viel Lebenszeit man tatsächlich miteinander verbracht hat, was man geteilt hat erkennt man erst, wenn einer geht. Du bist gegangen. Einfach so. Plötzlich.

Deine Gestik, deine Mimik sind unverwechselbar. Ich sehe dich vor mir!

Du mochtest keine Steckrüben. Dafür Weizenbier. Und als wir noch ein ganzes Stück jünger waren, hast du nach dem fünften oder sechsten Bier barfuß getanzt.

Deine Art, die Dinge des Lebens anzugehen, anzupacken, war die eines stillen Machers.
Du hast einfach gemacht.

Du fehlst.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass du diese Reise jetzt schon machen wolltest.
Lieber hättest du einen Segeltörn mit heftiger Übelkeit und Steckrübensuppe in Kauf genommen!

Du wolltest nicht gehen. Du wolltest für deine Lieben da sein, dich kümmern, die Dinge in die Hand nehmen. Das hast du so gemacht, seit wir uns kennen.

Es sind die kleinen Schrullen am anderen, die man nicht versteht, die man merkwürdig findet, die vielleicht sogar nerven, an denen man aber zuverlässig erkennt, wie nah man sich wirklich steht.

Du bist gegangen.
Es war viel zu früh. Es war viel zu plötzlich!

Wir haben uns das letzte Mal vor ein paar Wochen beim Einkaufen getroffen, keine Umarmung, Distanz wegen Corona. Alles halb so wild, hast du noch gesagt.
Wir wollten mal wieder alle zusammen grillen, ein Bier trinken, zwei, nach Corona!

Zu spät.

Und immer noch nicht zu fassen.
In Memoria! Erinnerung an M.

Es ist gut, dass du da warst! Es ist gut, sich an dich zu erinnern!

Es ist bitter, dass es keinen Trost gibt.
Alles hat seine Zeit.

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