Maskerade

Meine erste Erfahrung mit der verordneten Vermummung führte zu einer beschlagenen Brille, Hitzewallungen im Wangenbereich und der schnellen Entscheidung, weiterhin lieber Oben ohne und online einzukaufen, als an der verpflichtenden Maskerade teilzunehmen.

Shoppinglust im Kleinstadtambiente? Schnell mal ein T-Shirt anprobieren oder eine neue Hose, weil alle anderen inzwischen zu eng sind?

Fehlanzeige. Die Maske führt bei mir nicht dazu, dass ich große Lust verspüre, den hiesigen Einzelhandel persönlich aufzusuchen. Leider ist das Gegenteil der Fall!

Dabei hatte ich so gute Vorsätze, damals, vor zwei Wochen.

Die Fraktion der Öffnungsdiskussionsorgie hat sich möglicherweise auch mehr davon versprochen. Erhoffte Umsätze enden wie ein nasser Lappen!

Und statt Hoffnung geht die Angst um!

Manche sehen richtig gefährlich aus. Das macht mir Angst!, sagt die Inhaberin der örtlichen Poststelle, die normalerweise ganz und gar nicht zimperlich ist, schon gar nicht mit der Kundschaft.

Das ist kein Überfall, versuche ich zu beruhigen, ich lächle, und ich komme in friedlicher Absicht.

Der Feind lauert hinter der Selbstgenähten!
Der Terrorrist agiert in karierter Küchentuch-Baumwolle.

Dreht euch nicht um, der Plumpsack geht rum, wer sich umdreht oder lacht, dem wird der Buckel blau gemacht.
Erinnern Sie sich oder sind Sie noch zu jung?

Großes Mitgefühl habe ich übrigens für all jene, die beruflich Masken tragen müssen. Das dürfte richtig anstrengend sein.
Das kann man nicht ernsthaft eine Schicht von acht Stunden Dauer oder länger durchhalten.

Und selbst der Humor über das eigene bescheuerte Aussehen bleibt echt auf der Strecke, wenn man nach vier Atemzügen einen feuchten Lappen im Gesicht kleben hat. Noch dazu einen, der mit einer Bakterienzahl getränkt sein dürfte, die die Anzahl der Weltbevölkerung übertrifft.

Billionen? Vielleicht. Jedenfalls mindestens mit so vielen Nullen im Gefolge, wie unser Staat, also wir, sie gerade in Rettungsschirme investiert.

Haben Sie auch schon gefordert? Zurzeit stehen die Chancen gut, mit einer saftigen Forderung durchzukommen. Jeder und jede fordert. Über Sinn und Unsinn dieser gut gemeinten Hilfen lässt sich spätestens dann trefflich streiten, wenn Unternehmen schon vor Corona so gut wie pleite waren oder Soloselbstständigen Bedingungen auferlegt werden, die mit dem wirklichen Leben nichts zu tun haben.

Warum darf die Yogalehrerin, die freiberufliche Fotografin, der Volkshochschuldozent nicht seine Miete von den 9000 Euro bezahlen?

Und woher kommt eigentlich das ganze Geld? Kann es sein, dass es ERWIRTSCHAFTET werden muss? Von irgendwem? Von uns.

So viel gesunder Mittelstand ist gar nicht da, um all die Forderungen erfüllen zu können, fürchte ich.

In welche höchsten Höhen wird sich der Spitzensteuersatz demnächst erheben? Dagegen ist ein feuchter Lappen im Gesicht ein Witz.

Wir schaffen das? Ich bin gespannt.

Gespannt bin ich übrigens auch darauf, ob die beiden Damen, die ich heute auf der Gassirunde beobachten durfte, ihre selbst genähten Landfrauenmasken tatsächlich über heißem Dampf reinigen und penibel mit dem Eisen nochmal drüber gehen.

Nötig wäre es. Setzten sie die Masken doch auf, strichen sodann liebevoll mit den Fingern darüber,  nahmen sie wieder ab, steckten sie in die Hosentasche, zogen sie wieder heraus, tauschten sie aus, begutachteten tätschelnd die Stoffqualität und steckten sich sodann eine Zigarette an, um den Qualm durch die Maske zu filtern.

Schlau, oder? Mit Mundschutz wird jetzt sogar das Rauchen gesünder, denkt sich die eine oder die andere und schnäuzt sogleich beherzt ins multifunktionale Schnuffeltuch, um die Sache abzurunden.

Seit Mitte März halte ich mich brav und überzeugt davon, dass die ergriffenen Maßnahmen berechtigt und notwendig sind, an eben diese.

Durchtränkt wie eine feuchte Maske klebe ich an den Lippen derer, die ich für kompetent halte, deren Argumente und Erklärungen mir vernünftig und schlüssig erscheinen.

Ich bin immer noch davon überzeugt, dass viele getroffene und noch zu treffende Maßnahmen richtig und angebracht sind.

Ich glaube immer noch nicht, dass böse Mächte wie China uns diesen Virus geschickt haben oder machtgeile und manipulierende Politiker uns hinters Licht führen, weil sie ihre Machenschaften verschleiern wollen und ihnen Corvid 19 gerade recht kommt.

Auch der unermüdlich hinkende Vergleich mit Influenza oder der wenig charmante Ansatz Sterben müssen die Alten sowieso, bringt mich nicht mehr so sehr in Rage, wie damals, ganz am Anfang, als noch Hoffnung auf Solidarität und menschliche Vernunft bestand.

Gesichertes Wissen über das Virus und seine kollateralen Auswirkungen habe ich trotz aller Bemühungen, auf seriöse Informationen zu bauen, nicht. Sie auch nicht, behaupte ich.

Diese verpflichtende Maskerade halte ich hingegen für ausgemachten Bullshit! Jedenfalls so, wie sie im Moment umgesetzt wird.

Abstand halten. Hände waschen und desinfizieren. Nicht in der Gegend rumhusten oder andere schleimige Angelegenheiten verteilen, wie zum Beispiel gebrauchte Kondome auf Parkplätzen, die Hundenasen magisch anziehen. Was mich fragen lässt, ob Sex überhaupt noch erlaubt ist angesichts von 1,5 Metern …. Länge…. Abstand.

Sie spüren es.
Durchfeuchtung, wenig Plan und jede Menge Fantasie. All überall? Vielerorts?

Selber denken macht schlau!

Auf ein Aber Corona hat ja auch was Gutes, lasse ich Sie heute warten.

1 Kommentar

  1. „Und woher kommt eigentlich das ganze Geld? Kann es sein, dass es ERWIRTSCHAFTET werden muss? Von irgendwem? Von uns.“
    Alles halb so wild, solange AKK noch über mögliche Abwicklungsmodalitäten der Beschaffung von atomwaffentragfähigen Kampfflugzeugen (natürlich bevorzugter Herkunft USA) schwadronieren kann, ist doch das Geld nicht das Problem, oder…? (Sarkasmus aus…)
    Ich habe für die nächste Bundestagswahl auch schon meinen Favoriten ausgemacht, in der Hoffnung, dass seine drei Enkel ihn bis dahin nicht in die Armut getrieben haben: den guten alten Dagobert Duck, der schwimmt in seinen übervollen Geldsilos und ist in seinem Tun so dermaßen auf die Beschaffung neuer Kohle und der Verteidigung alter Geldbestände fixiert, dass sogar ich den Sinn seiner Taten verstehen kann. Denn dies gelingt mir bei den jetzt für unser Land Verantwortlichen leider nicht ansatzweise….

    Liken

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