Sind Sie auch eine Corona-Rückenfreihalterin?

Wird Corona uns Frauen wieder zu Hausfrauen, schlimmer noch, zu Hausmütterchen machen?
Erleben wir eine Renaissance der 1950er Jahre?
Ist Corona weiblich, angesichts der Tatsache, dass Frauen mehrheitlich in kümmernden Berufen tätig sind?
Sind Frauen die wahren Opfer der Krise, obwohl viel mehr Männer an den Folgen von Corvid 19 sterben?

Wie können wir all die alleinerziehenden Mütter retten? Wie die Gewalt in den Familien eindämmen?

Sind das Frauenfragen? Stellen sich Männer diese Fragen auch? Bestimmt tun sie es dann, wenn sie geschlagene Männer sind. Die Dunkelziffer ist hoch. Frauen schlagen auch zu.

Managen Männer die Krise, während Frauen sich um die Umsetzung kümmern?
Alles wie immer?  Sind Frauen immer noch die Opfer, immer noch schlechter bezahlt, immer noch doppelt bis dreifach belastet, immer noch weit davon entfernt, gleichgestellt zu sein?

So lautet jedenfalls der Tenor meiner Suchergebnisse auf Google.
Was macht Corona mit den Frauen? war meine Frage.
Und während ich den Punkt hinter den letzten Satz setze, piept die Spülmaschine.

Ich höre es, mein Mann nicht!
Möglich, dass er es hört, sich aber denkt, dass ich es auch höre, näher dran bin und es vernünftig und effektiv ist, wenn ich die Maschine zum Schweigen bringe.

Manchmal glaube ich, dass mein Mann der wahre Feminist in unserer Beziehung ist!

Feministen sind Menschen, die für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und die Würde des Menschen eintreten.

Während ich denke, immer ich, bin ich hier das Mädchen für alles? Denkt er lösungsorientiert bis gar nicht.

Also natürlich denkt mein Mann nach, bitte nicht falsch verstehen! Aber eben nicht über Peanuts. Und zu Peanuts gehören Socken, Kaffeetassen auf der Badablage und piepende Spülmaschinen.

Wie lange wollen wir Frauen uns eigentlich noch selbst für dumm verkaufen?
Was treibt uns an zu meinen, uns um alles und jeden kümmern zu müssen, nett zu sein, Verständnis zu haben und ohne Not andauernd freundlich lächelnd und mit der Klobürste salutierend in die zweite Reihe zu treten?

Warum machen wir uns zu externen Festplatten und wandelnden Geburtstagskalendern? Warum lassen wir nicht Siri und Alexa Antworten auf die Frage finden, wo das Portmonee, der Autoschlüssel oder die Kinotickets sind?

Was bewegt uns, Lebensentwürfe anderer Frauen lächerlich zu machen, abzuwerten oder in Frage zu stellen? Wir könnten ja auch mal anerkennen, wie andere was machen. Männer und Frauen. Eben Menschen. Andere Menschen.

Und wenn es an der Anerkennung hapert, geht ja auch Neutralität. Leben und leben lassen.

Können wir als Frauen Würde vertreten, wenn wir die Würde des Menschen mit Füßen treten? Besonders die unserer Geschlechtsgenossinnen aber auch die unserer Männer?

Mit Würde meine ich den Wert, den ich mir selbst gebe. Mit Würde meine ich die Achtung, die ich vor mir selbst habe, dem Gegenüber entgegenbringe und einfordere.

Nicht nur gegenüber Männern. Sondern gegenüber der Gesellschaft in der ich lebe, gegenüber Institutionen, Unternehmen und Politik.

Hilft es uns als Gesellschaft wirklich weiter, wenn wir die Unterschiede zwischen Männern und Frauen negativ hervorheben? Wenn wir uns zu Tätern und Opfern machen anstatt unter einer Decke zu stecken?

Es ist Zeit für eine neue, gemeinsame Strategie. Ganz im Sinne unserer Grundrechte!

Wir alle haben die Wahl! Immer. Das ist ein großes Privileg unserer Gesellschaft! Selbst unter den derzeitigen Bedingungen.

Ich kann mich selbst zur dienenden Hausmutti und Teilzeitsekretärin machen und meinem Mann den 11 Uhr Kaffee im Homeoffice servieren.
Wenn es das Bild ist, das ich gerne von mir habe ist alles okay.

Den selben Kaffee kann ich auch auf Augenhöhe mit meinem Mann tinken, ohne mich und ihn in irgendwelche Rollenmuster einzusperren.

Es ist ein langer Lernprozess, uns aus dem, was uns unsere Eltern und Großeltern vorgelebt haben zu lösen.

Sei edel, hilfreich und gut! Halte deinem Mann den Rücken frei. Nähe 5000 Masken für die Schule deines Kindes, dann haben dich alle lieb!

Nur leider werden sich die Stellen, die sich eigentlich gut dotiert darum kümmern müssten, wenig bis gar nicht bewegen! Läuft ja. Mama macht das schon. Applaus! Vergessen.

Du bist das Familienoberhaupt, der Ernährer, pass auf deine Frau auf! Solange die Kinder die Füße unter deinen Tisch stellen, hast du das Sagen! Mann. Ob du willst und kannst oder nicht.

Meine Mutter stand eines Tages schluchzend auf dem Balkon und wollte springen.
Sie war nervlich am Ende!
Burn-Out würde man heute sagen.
Sie hatte nicht nur für die Dauer einiger Krisenwochen die Erziehung von drei Kindern, die vollen Wäschekörbe, die Kocherei, den Vollzeitjob und die nervige Schweigermutter bewältigen müssen, sondern viele Jahre!

Aber aufmüpfig werden war nicht. Auto- und passive Aggression was das Mittel der Zeit. Eigene Bedürfnisse ergründen, haben, gar umsetzen? Undenkbar.
Da macht man nicht und frau schon gar nicht.

Fangen wir jetzt an, uns zuerst um uns selbst zu kümmern und erst dann das Klo zu putzen!
Hören wir auf, Ursachen und Begründungen für unsere Unzufriedenheit im Außen zu suchen und zu finden.
Übernehmen wir Verantwortung für den Lebensentwurf den wir wählen oder gewählt haben. Oder ändern wir das, was nicht passt!

Jeder hat die Freiheit, es auf seine Art zu tun. Jeder hat das Recht, sich sein Leben frei zu gestalten!
Vielleicht schaffen wir es dann ja auch, mutig, kreativ und ein bisschen aufmüpfig zu werden. Gemeinsam. Unterstützung statt Aufopferung.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Mit allen Konsequenzen und über alle Geschlechter und Krisen hinweg.

Es ist Mai. Frühling, Aufbruch, die Spielplätze öffnen, die Museen auch und der Mundschutz trieft vor sich hin.

Leben in Zeiten von Corona.

1 Kommentar

  1. Hallo liebe Christine,

    vielen Dank für deinen Beitrag! Was soll ich sagen?! Es stimmt. Wir Frauen sind in vielen Punkten zu wenig aufmüpfig, vielleicht sogar regelrecht zurückhaltend. Es wurde uns so anerzogen und ist in unserer Gesellschaft das typische Frauenbild. Ändern können wir das nur, wenn wir uns regelmäßig den Spiegel vorhalten und kontiniuerlich an einer Veränderung arbeiten. Von heute auf morgen wird das nicht passieren.

    Liebe Grüße
    Nicole

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