Warum Lockerungen mich noch nicht locken

Mal ehrlich. Butter bei die Fische. Sie haben sie doch auch. Die coronale, corvide Dünnhäutgkeit. Stimmt’s? Geben Sie es ruhig zu. Wir sind hier ganz unter uns.

Selbst wenn Sie nicht fünf Kinder zwischen Vorschul- und Pubertätsalter auf 65 Quadratmetern Etagenwohnung ohne Balkon bespaßen müssen und ihr Partner sich sein mittägliches Mettbrötchen selber schmiert, piesackt Corona wie eine lästige, weil unsterbliche Mücke.
Ein harmloser Vergleich, das gebe ich zu. Aber bedenken Sie, dass auch Mücken echt fiese Krankheiten übertragen können.

Aber, hey, Corona for ever. Niemand ist symptomfrei. Alle sind infiziert.

Da sollte man doch meinen, dass die vielversprechenden Lockerungen und das Wiedergewinnen eigener Verantwortung einem die Freudentränen in die Augen schießen lassen.

Mir nicht.
Ich kann inzwischen Insassen von Justizvollzugsanstalten verstehen, die gar nicht entlassen werden wollen und in Freiheit sogar neue Straftaten mit dem Ziel begehen, schnellstens ins vertraute, weil vergitterte Umfeld zurück zu können.

Oder auch Geiseln, die sich so an ihre Entführer gewöhnt haben, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind, in ein eigenens Leben zurück zu finden.

Sie schnüren kopfschüttelnd ihre Laufschuhe, kontrollieren Ihren Tennisschläger und polieren ihre Golfschuhe, weil es endlich wieder losgeht?
Sie vom unbedarften Glück Gesegneter!

Bevor ich es vergesse: Die männliche Schreibweise auf diesem Blog ist auch der soziologischen Hypothese geschuldet, dass wir, also die Gesellschaft, durch Corona nunmehr 30 Jahre in die Vergangenheit katapultiert werden, und zwar insbesondere im Bereich der Gleichstellung zwischen Mann und Frau.

Ich denke später darüber nach und freue mich derweil darüber, dass, wenn es gut läuft, den Mädchen und Frauen im Sudan zukünftig die traditionelle Genitalverstümmelung erspart bleibt. Anders, sie ist unter Strafe gestellt! DAS ist ein wirklich großer Schritt!

Ich brauche derweil noch Zeit, um mich in aller Ruhe vom Virus und seinen strengen Alltagsroutinen zu verabschieden. Was für ein Luxusproblemchen!

Tröstet es Sie übrigens auch, dass der Abschied vom Virus kein Abschied für immer ist? Sind Sie auch froh, dass uns die Masken- und Abstandspflicht erhalten bleiben wird?
Wenigstens etwas, woran man sich orientieren kann angesichts der erlernten Hilflosigkeit.

Und dass wir spätestens im Herbst wieder auf der Viruswelle surfen werden ist doch ein echter Lichtblick, der die bereits nahende Weihnachtsvorfreude stimmungsvoll ausleuchtet.

Ach Corona! Sollen wir uns von dir kleinem Scheißbiest den Kopf verdrehen und Nerven und Lungen verschleimen lassen bis uns irgendeine Embolie den Garaus macht?

Dann doch lieber vorher noch ein paar freiheitliche Locken drehen.

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