Schaffen wir doch endlich den Muttertag ab!

Mutter ist eine Frau, die ein oder mehrere Kinder auf die Welt gebracht hat.

Während Mutterschaft sich über biologische, rechtliche und soziale Aspekte definiert, ist es gleichermaßen ein Prozess privater und individueller Ausgestaltung, dem eine bewusste Entscheidung vorangeht.

Jedenfalls dann, wenn eine Frau nicht zu Empfängnis und Schwangerschaft gezwungen wird oder andere Gründe zu einer ungewollten Schwangerschaft geführt haben.

Mutter wird man schließlich nicht allein und auch nicht einfach so.
Was bei näherer Betrachtung eigentlich ein Manko ist.

Technisch sind mir bisher zwei Methoden bekannt, die zu einer biologischen Mutterschaft führen können.

Erstens der Geschlechtsakt mit einem Mann, zweitens die Einpflanzung einer befruchteten Eizelle mit Hilfe reproduktionsmedizinischer Maßnahmen.
Die vielzitierte unbefleckte Empfängnis einer gewissen Maria, die ein Baby namens Jesus auf die Welt brachte, lasse ich unkommentiert im Reich der Mythen und Märchen zurück.

Sie fragen sich, warum ich den derzeit fast heilig anmutenden Stand der Mutter so unromantisch und unterkühlt beschreibe? Ich frage mich das auch. Besonders deshalb, weil ich schließlich Mutter bin und weiß, wie fordernd und anstrengend dieses wundervolle Unterfangen körperlich und psychisch sein kann. Und auch ist und lebenslang bleiben kann, wenn wir die Mutterrolle auf ein Podest stellen, auf das sie nicht gehört.

Dabei müsste gerade mir sehr daran gelegen sein, zumindest einen Anspruch auf lebenslanges Muttergedenkgeld in zweistelliger Millionenhöhe geltend machen zu können weil ich entschieden habe, zugunsten der Familie die meiste Zeit meines Berufslebens in Teilzeit zu arbeiten.

Entscheidung ist das Zauberwort! Rahmenbedingungen das andere.

Es steht außer Frage, dass die Aufgabe, Kinder zu bekommen und sich verantwortungsvoll um sie zu kümmern bis sie auf eigenen Füßen stehen, eine große Aufgabe ist und oft auch eine schöne.
Klar ist auch, dass jede weitere Aufgabe, die dazu kommt, fordernd bis überfordernd sein kann.
Aber all dem geht eine persönliche Entscheidung voraus! Und jede Entscheidung hat Konsequenzen. Zumindest die, verantwortlich für die eigene Lebensgestaltung zu sein.

Ist uns Frauen und Müttern in Deutschland hinsichtlich unserer im Vergleich zu anderen westlichen Nationen immer noch hinterwäldlerischen Gleichstellung geholfen, wenn wir uns für unser Mutter Sein feiern lassen und nicht müde werden, das Klagelied der Dreifachbelastung zu singen?

Nein.

Es kann und sollte nicht darum gehen, die Mutterschaft wie anno tuck (ich wähle absichtlich diese harmlose Bezeichnung für eine unrechtsstaatliche und mörderische Epoche) auf moderne Art mit Orden zu behängen!

Hier auf dem Lande beobachte ich den Trend junger Mütter, die sich ganz offensichtlich in ihrem Mutterdasein suhlen, es zelebrieren und ihre Kinder zum Dreh- und Angelpunkt ihre Seins stilisieren.

Verstehen Sie mich bitte richtig. Babys sind niedlich und faszinierend. Sie brauchen unsere Nähe und Fürsorge.
Aber diesen mütterlichen Part können auch andere, sogar wechselnde Personen übernehmen!
Kinder sind eine Bereicherung, sie machen aus uns Clowns und Helden.
Erwachsene  Kinder sind großartige Entwicklungshelfer. Seinem Kind auf Augenhöhe zu begegnen ist eine wirklich herausragende Erfahrung. Es ist Glück!

Aber. Jedes Kind hat bekanntlich auch einen Vater! In den meisten Fällen ist es sogar ein biologischer und physisch anwesender Vater, der sowohl an der Entscheidung für ein Kind als auch an der Entstehung den gleichen Anteil hat.

Und viele Kinder haben außer Omas und Opas noch Onkel und Tanten und Cousins und Cousinen oder Freunde der Eltern, Paten, etc.

Hören wir also auf, diese merkwürdigen Muttertage zu begehen und nehmen wir zur Kenntnis, dass das besagte Dorf, das es braucht, um ein Kind zu einem Mann rsp. zu einer Frau zu erziehen, ein mögliches weil entlastendes Modell sein kann.

Sorgen wir dafür, dass sich die Bedingungen für Frauen und Männer mit Kindern, also Familien, also Menschen so gestalten, dass ein Leben mit Kindern nicht zu einer unüberwindbaren Belastung wird, sondern zu einer Gemeinschaftsaufgabe.
Nein, damit meine ich nicht eine staatliche Inobhutnahme mit integrierter Erziehung zu einem stromlinienförmigen Staatsbürger.
Ich meine Gleichstellung.

Was wir selber dafür tun können ist, unsere Rollenbilder zu überdenken und ihnen die Anspannung zu entziehen. Das Maß der Dinge kann da enorm helfen.

Wenn wir eine Gesellschaft sein wollen, die Kinder gut findet und mehr davon möchte,  (übrigens wohlwissend, dass es schon sehr viele, rechnerisch zu viele Menschen auf der Welt gibt), dann müssen wir gemeinsam für gute Rahmenbedingungen sorgen. Für Väter und Mütter, die gleichberechtigt in Familie und Gesellschaft bestehen können, wenn sie es denn wollen.

Wenn wir in einer gleichgestellten Gesellschaft leben wollen, dann wird es Zeit Lebensmodelle zu kreieren und zu akzeptieren, in denen keine Kinder vorkommen oder in denen Männer die Mutterrolle übernehmen können und Frauen, die sich gerne und langfristig als Mutter sehen ebenfalls ihren Platz finden, ohne angefeindet zu werden.

Gleichstellung ist schließlich keine Utopie. Sie ist uns in die Wiege gelegt.

Schaffen wir also endlich den Muttertag ab. Und den Vatertag gleich mit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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