Warum es manchmal Meer sein muss

La mer
Qu’on voit danser
Le long des golfes clairs
A des reflets d’argent
La mer
Des reflets changeants
Sous la pluie

Das Meer,
sieht man im Tanz,
an hellen Buchten entlang,
wie’s spiegelt Silberglanz.
Das Meer
wechselt den Glanz
unterm Regen.

(Charles Trenet, Chanson, 1946)

Gestern war ich am Meer. Wenn Sie ein spontaner Mensch sind, der Dinge einfach so macht, denken Sie sich jetzt vielleicht Na und, fährt man halt mal ans Meer. Ist doch schnell gemacht.

Wenn man jedoch das Motto my home is my Castle zum Credo erhoben hat, zum Beispiel weil Corona ausgerufen und oder man zu einem übervorsichtigen Typus mutiert ist, dann ist eine Fahrt mit dem Auto ans Meer ein Abenteuer.

Selbst die Hündin wunderte sich über den ungewohnten Tagesablauf. Statt Gassirunde rein ins Auto.

Von hier aus ist man ist gut zwei Stunden an der Nordsee. Und mit etwas Glück ist das Wasser gerade anwesend.
Wir hatten Glück! Es war Flut in Hooksiel. 

Hooksiel hat einen kleinen Hundestrand.
Strandkörbe, Kitesurfer beim Tanz auf dem Wasser, Minidüne.
Einfach sitzen, salzige Luft atmen und bis zum Knöchel ins Wasser gehen, rumstehen, Quallen begutachten und en passant aufgewirbelte Gedanken und Emotionen wie ein Sediment langsam sinken lassen, bis die Sicht wieder klarer wird.

Nachdenken kann man überall. Aber nirgends so gut wie am Meer.
In welcher Sprache gibt es viele unterschiedliche Worte für Schnee? Ich weiß es nicht. Ist es finnisch?

Schade, dass es in unserer Sprache nicht viele Begriffe für Ruhe gibt.

Die Ruhe im Wald ist eine andere und macht etwas anderes als die Ruhe in den Bergen. Die Ruhe am Meer geht zu Herzen. Keine andere Ruhe wie das Kommen und Gehen der Wellen verdeutlicht das Leben intensiver.

La mer
A bercé mon cœur pour la vie
Das Meer
hat mein Herz gewiegt
für mein Leben.

Es ist gut, ab und zu ans Meer zu fahren.

IMG-2480
(Foto privat: Christine Jendrike, Hooksiel Hundestrand)

3 Comments

  1. DasPi

    wunderschön! Allzu weit ist auch der Sahlenburger Hundestrand nicht entfernt, kennst du den? An meinem 30. bin ich spontan mit dem Zug nach Cuxhaven gefahren, dort ins Taxi gestiegen und sagte – bringen Sie mich an den Strand. Gelandet bin ich am Sahlenburger Hundestrand, obwohl ich gar keinen Hund habe. Ein wunderschöner Tag mit Wildrosen, Wasser, Wind und Sonne. Es gibt kein vergleichbares Gefühl von Freiheit und Frieden.

    Was für herrliche Gedichte du mit uns geteilt hast. Danke dafür.
    Erst heute morgen musste mein alter Bildschirmhintergrund einem mit Meer und Strand weichen. Das Bedürfnis nach Weite ist im Moment nur allzu verständlich, scheint mir.

    Ich bin mal wieder so frei, auch ein Gedicht anzufügen (Erich Fried)

    Meer

    Wenn man ans Meer kommt
    soll man zu schweigen beginnen
    bei den letzten Grashalmen
    soll man den Faden verlieren

    und den Salzschaum
    und das scharfe Zischen des Windes einatmen
    und ausatmen
    und wieder einatmen

    Wenn man den Sand sägen hört
    und das Schlurfen der kleinen Steine
    in langen Wellen
    soll man aufhören zu sollen
    und nichts mehr wollen wollen nur Meer
    Nur Meer

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