Hexenschuss und Lady Gaga

Ich atme tief in den Bauch. Ein und aus. Das OM denke ich anstatt es zu flüstern. Ein mantraartig heruntergebetetes Ave Maria liegt mir ohnehin mehr.
Katholisch sozialisiert. Das sitzt. Einkehr, Meditation, Exerzitien.

Die Wärmflasche sitz ebenfalls. In meinem lädierten Kreuz. Die Wärme tut gut und sorgt für Linderung der Schmerzen in meinem unteren Rücken.

Haben sie nicht auch erst enorm gelitten, bevor sie Erleuchtung und die Aufnahme in den Himmel fanden? Siddharta und Jesus?

Ganz ehrlich? Zur Sicherheit habe ich mir etliche Diclofenac und 5 Tropfen CBD eingeschmissen. Für Letztgenannte hoffe ich auf einen zumindest minimalen Anteil berauschender Wirkung.

Erleuchtung und Himmel sind nicht meine ersten Ziele. Für den Moment würden mir Schmerz- und Bewegungsfreiheit vollkommen genügen, ja, mich demütig auf die Knie sinken lassen.

Hatten Sie schon einmal einen Hexenschuss? Es ist mein erstes Mal. Ich leide. Es tut richtig weh.

Lumbalgie, einschießende Kreuzschmerzen. Irgendein Nerv hat sich eingeklemmt, zickt erheblich und prollt mit Unberechenbarkeit. Eine falsche Bewegung und das Spiel beginnt von vorn.

Die ersten drei Tage Ruhe, Wärme, Schmerztabletten, Beine hochlagern, nur ganz leichte Bewegung. Und vor allem keine falsche, sonst wird geschossen.

Nur leichte Bewegung? Keine Runde durch den Wald und über die Wiese?
Wer soll heute die Enten jagen, die rote Katze töten und die Mäuse aus ihren Löchern buddeln?
Die Hündin legt den Kopf schief, senkt verzweifelt den Blick und lässt sich seufzend auf ihr gelenkschonendes Kissen sinken.

Ich sinke mit und platziere das iPad auf meinen 90 Grad angewinkelten Knien.
Netflixtime.

Bradley Cooper und Lady Gaga. Ich hatte den Film bisher nicht gesehen. A Star Is Born. 
Eine traurig-schöne Story. Und neben dem Titelsong noch ein paar wirklich gute Stücke.

Eine beindruckend ungeschminkte und stimmlich absolut starke Lady Gaga und ein mutiger Bradley Cooper. Ich bin sehr angenehm überrascht. Auch darüber, dass ich erst in der allerletzten Szene meinen Tränen freien Lauf lasse.

Wahrscheinlich dämpfen die hochdosierten Schmerzkanonenpillen meine Sensibilität.
Doch davon habe ich zuweilen so viel, dass eine kleine Einbuße kaum zu Buche schlägt.

Ich wünsche Ihnen für heute vor allem, dass Sie keine Schmerzen haben. Weder an Körper noch an Seele!

Also im Ganzen einen Tag, den Sie zu ihrem machen können. Und wenn Sie A Star Is Born bisher nicht gesehen haben, einfach mal machen. Im Hintergrund ein beruhigender Landregen, dazu einen Gemüseburger und alles wird gut.

Besonders für die armen Schweine. Die, die an den Haken hängen und die, die sie unter unwürdigen Verhältnissen zerstückeln müssen. Manches geht einfach so wie es bisher war nicht weiter. Und zwar gar nicht!

 

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