We make Diskriminierung great again

Das Büro nebenan, das früher ein Kinderzimmer war,  ist wieder besetzt. Homeoffice.
Unsere Ehe ist ein altes Modell, Baujahr 1987, statistisch gesehen werden wir also auch diesen zweiten Lockdown überstehen und somit gut gewappnet sein für die noch folgenden.
Aller guten Dinge sind drei oder wie war das?

Gilt der Dank eigentlich wirklich Herrn Tönnies und seinen Vasallen?

Ist Herr Tönnies nicht auch jemand, der einfach nur zusieht, dass er das Beste für sich herausholt? Viel Output für wenig Input? Was ich nicht sehe ist nicht da?
Sind wir nicht alle Tönnies? Ist die Affäre Tönnies nicht ein Spiegel, der uns allen vorgehalten wird?

Ein bisschen Pfennigfuchser, ein bisschen Verdränger, ein bisschen von Gestern, und ganz schön viel Menschen- und Tierverachter?

Wir sind die Leidtragenden und wenn ich ihm begegnen würde, dem Herrn Tönnies, dann könnte er sich auf was gefasst machen.

Die junge Mutter ist außer sich! Verständlich? Klar. Aber ob und wo sie Fleisch einkauft, bleibt offen.
Ist Ihnen schon einmal auf-, oder eingefallen, dass sie als Verbraucherin mit bestimmen, was auf den Markt kommt und sich dort hält oder wieder verschwindet?

Wir alle wissen seit langer Zeit, dass wir Raubbau an den Ressourcen dieser Erde betreiben. Wir tun dies, weil wir offenbar nicht anders können. Es fehlt uns an Grips!

Wir wissen, dass wir an alten Systemen festhalten, die nicht mehr funktionieren! Bildung, Gesundheit, Wirtschaft, Forschung. Das alles krankt! Und zwar auch daran, dass wir nicht bereit sind, Neues zu wagen.

Wir halten an Strukturen fest, die nicht mehr passen. Können wir wirklich nicht oder liegt es am nicht Wollen?

Wir brauchen dies und das und davon jede Menge und am besten noch auf Vorrat und bitte stets mit Rabatt und es ist uns auch egal, woher es kommt.
Wir meinen, dass Konsum uns weiterhilft. Tut er das?

Wir lassen uns ablenken und zerstreuen, denn nachdenken, uns konzentrieren, das können wir nicht gut. Wir gehen nicht nach Innen. Wir suchen im Außen! Wir erhalten die Fassade. Ich will Spaß, ich will Spaß, ich geb Gas ich geb Gas.

Wir hasten von einem Event zum nächsten, erneuern unseren Status im Sekundentakt und wenn das nicht mehr geht, hängen wir uns vor den Laptop und setzen die Jagd nach Unterhaltung und Abwechslung fort. Bloß nicht zur Ruhe kommen. Bloß nicht nichts machen. Bloß nicht einfach mal Sein! Bloß keine Stille.

Apropos: Sogar das Stillen wird zum öffentlichen Happening auf Instagram und auch sonst überall. Nährende Brüste werden feilgeboten, ohne dass man sich ihnen entziehen kann. Es gibt keine stillen Geheimnisse mehr. Schade.

Friedlich sind wir nur so lange, wie unsere Bedürfnisse gestillt werden, und zwar schnell. Ansonsten gibt es Geschrei, Gewalt, Krieg!

Wir sind Meister darin, Feinde und Schuldige zu identifizieren. Und wer eben noch Freund oder Nachbar war, der kann von jetzt auf gleich zum Feind werden, den man eliminieren oder zumindest ausschließen, wahlweise ihm das Auto zerkratzen muss, wenn es das falsche Kennzeichen oder die falsche Marke hat.

Wir sind die Helden undifferenzierter Äußerungen und Handlungen. Traurige Helden.

Denn im Grunde sind wir einfach nur kleine Schisser! Wir haben immer noch Angst vor dem Säbelzahntiger.

Unser Hirn gaukelt uns vor, dass dieser Säbelzahntiger jetzt in Gestalt jedes Menschen aus dem Kreis Gütersloh uns an Leib und Leben gefährlich wird.
Wir müssen nachweisen, dass wir clean sind, wenn wir für ein paar Tage an die Küste oder nach Bayern fahren wollen.

Es gibt nichts Ewiges. Leider. Oder zum Glück.
Es gibt auch nichts Sicheres. Ist Mist, aber ist so! Und gleich noch einer: Wir sind vergänglich! Und das ist sicher. Also doch noch ein bisschen Sicherheit. Glück gehabt.

Ob mit oder ohne Virus wird es uns früher oder später dahinraffen. Wir vergehen! Und mit uns all die materiellen Dinge, die wir zu unseren pseudowertvollen Gütern machen.

Diese Krise ist noch längst nicht vorbei. Auch wenn unsere einfach gestrickten Hirne das angenommen haben.
Erst wenn wir bereit sind, an anderen Lebens,- und Arbeitsentwürfen mitzuwirken, haben wir eine Chance, diese und andere Krisen zu überwinden und uns als Menschen weiterzuentwickeln. Ohne Masken.

Ich wünsche mir eine Mutation dieses Virus, das unsere Hirne updatet. Das uns in die Lager versetzt, nicht dieselben Fehler immer und immer wieder zu machen.

Wir könnten mehr Linsensuppe oder Kartoffelpuffer mit Apfelmus essen. Das ist doch vegetarisch.
Ich freue mich. Denn der, der das sagt, hatte auf die Frage, was wir essen wollen viele Jahre eine zuverlässige Antwort: Kasseler in Blätterteig!

2 Comments

  1. Reiner

    Der Tönnies ist austauschbar. Er tut nur, was erlaubt ist. Und wenn keiner guckt, auch ein wenig mehr. Wir entscheiden, wie groß so einer wird, mit unserem Kaufverhalten. Es musste erst so weit kommen wie nun. Als bekannt wurde, wie krank die Tiere werden, was wir ihnen antun, in der Massentierhaltung, da konnten wir noch dran vorbei schauen. sieht man dem Schnitzel ja nicht an. Erst als wir selbst krank wurden, durch die Umstände der „Fleischproduktion“, fing das nachdenken an. Hoffentlich diesmal nachhaltig.

    Selbst esse ich schon lange so gut wie kein Fleisch mehr. Angefangen nicht aus Einsicht oder Mitgefühl für die Schöpfung, sondern durch Schmerzen wegen Arthritis. Ohne Leid kein Wandel …

    Lieben Gruß!

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  2. Steffen Z.

    „Wir wissen, dass wir an alten Systemen festhalten, die nicht mehr funktionieren! Bildung, Gesundheit, Wirtschaft, Forschung. Das alles krankt! Und zwar auch daran, dass wir nicht bereit sind, Neues zu wagen.“
    Wir wissen aber auch, dass JEDE/R den manipulativen Psychospielchen anderer unterlegen ist, wenn einfach nur nur bestimmte Areale im Hirn angesprochen werden, wie z.B. das Glücks-oder Belohnungszentrum. Und das hört beim Ergattern von billigem Fleisch ganz sicher nicht auf. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass es größtenteils der Verbraucher ist, der dies alles umkrempeln kann oder soll. Wir sind nunmal immer noch Fleischfresser und nicht jeder ist in der Lage, sich ein T-Bone für 30,- Euro/kg zu leisten, wenn er mal was anderes als Grünzeug essen will. Ich kenne jedenfalls keinen Lebensmittelkäufer, der an der Wursttheke oder dem Kühlregal den Verkäufer unter Druck setzt, den Artikel nur zu kaufen, wenn dieser Preis XY nicht überschreitet.
    Und NEIN, ich glaube, Herr Tönnies tut nicht nur, was erlaubt ist. Mithilfe politischer Entscheidungen, Nichtentscheidungen werden Rahmenbedingungen geschaffen, die an der Gesetzgebung vorbeigehen (Leiharbeit/Werkvertrag). Und dass es moralisch mehr als fraglich ist was er „erlaubterweise“ so tut, dass muss er ganz einfach wissen.

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