Damit muss man rechnen

Tja damit muss man rechnen, wenn man hier her langgeht.

Meine Überlegungen darüber, ob ich mich über die regionaltypisch eigenwillige Grammatik oder die grassierende Dickfelligkeit aufregen, amüsieren oder nichts von alledem soll, sind noch im Gange.

Der blaue Buddha, den ich seit einigen Wochen jeden Morgen zu einem meditativen Stelldichein einlade (oder er mich, wer weiß das schon so genau), wirft als Anregung Atmen und Lächeln in den Ring.

War ich in einem früheren Leben ein dickfelliges Wesen, das bar jeder grammatikalischen und sonstigen Etikette durch das Leben trampelte? Oder soll ich endlich lernen, mein sensibles Nervenkostüm samt meiner guten Erziehung in dickes Fell zu kleiden?

Karma!?

Demut durchströmt mich. Kurz.
Dankbar und verwirrt nehme ich meine Lektion entgegen. Kurz.

Aber wieder schaffe ich es einfach nicht!

Mit heiterer Gelassenheit, achtsam über Dickfelligkeit und Dummheit hinweg zu atmen will mir einfach nicht glücken.
Noch nicht.
Haben Sie bitte Geduld mit mir.
Von deswegen ist wohl der Weg zu meiner persönlichen Erleuchtung mit schöner Regenmäßigkeit mit dickem Fell versperrt.

Und dickfellig ist in meinen Augen, außer den beiden tierischen Protagonisten der Begebenheit, die Person, die schnippisch behauptet, dass man angeblich damit rechnen müsse von einem kläffenden, zähnefletschenden Hund, der am Zaun hochsteigt und deutlich anzeigt, dass er denselben auch gerne zu überwinden gedenkt, in Schockstarre versetzt wird und schnellstens in umgekehrter Richtung das Weite sucht. Suchen muss.

Das kommt davon, wenn man da her langgeht. Ach nee. Hier her.

Meine Hündin ist auch von der dickfelligen Sorte! Sie geht in die Offensive und erklimmt den Zaun behende von der Gegenseite, also von der, auf der man damit rechnen muss, Sie wissen schon, um dem geifernden Fellfeind den Garaus zu machen.

Denn schließlich gilt es den Konkurrenten wenn nicht zu eliminieren, doch zumindest zu verbeißen. Ich hänge derweil in der Leine und strebe in die Gegenrichtung.

Denn wenn man hier lang hergeht, wo man immer lang hergehen tut, macht das einfach keinen Spaß und führt bei zu häufiger Wiederholung zu einem chronischen Schrumpfhorizont.

Und die Arroganz einer, also mir, die nicht von hier wech kommt, wird bestimmt mit einer weiteren Erdenrunde unter dickfelligen und dummdreisten Wesen zu sühnen sein.

Von deswegen – Nirwana muss noch warten. Damit war zu rechnen. War es?

Nein. Ich finde nicht, dass ich immer und überall damit rechnen muss, dass plötzlich ein Hund hinter dem Zaun laut kläffend und zähnefletschend auftaucht, mir jemand das Blumenwasser über den Kopf gießt oder der Baukran von der Baustelle gegenüber auf mein Hausdach stürzt und der Bauleiter nonchalant mit einem Damit muss man rechnen, wenn man hier her lang gebaut hat und von deswegen hier wohnt, reagiert.

Ich muss damit rechnen, dass mein Hund Menschen und andere Wesen verkläfft und am liebsten töten möchte, die sich unserem Haus und Grund nähern oder sich gar erdreisten, an unserer Haustür zu klingeln.

Und wenn ich das weiß, dann muss ich darauf achten und Vorkehrungen treffen oder mich zumindest freundlich und aktiv zeigen, wenn mir das nicht oder nur verzögert gelingt.

Eigentlich wäre es ganz nett, wenn manche Hundehalter den Charakter ihrer Hunde hätten.
Jedoch: Es scheint, als wäre das eine ziemlich hohe Hürde, die sie einfach nicht zu nehmen vermögen.

Geht’s eigentlich noch, Christine?

Wieso? 
Damit muss man rechnen, wenn man hier lang her liest.

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