Von dem was ich im Kopf habe, ist eine Dame weit entfernt*

Der Kulturteil meiner Morgenzeitung mutiert langsam aber sicher zur nährenden Quelle selbst-er-finderischer Prozesse. Dazu später mehr.

Das Leben ist eine sehr fragile Angelegenheit, weil unberechenbar und ganz sicher zeitlich sehr begrenzt.
Da stellt man sich doch lieber früher als später dezent die Frage, ob es nicht höchste Zeit ist, dieses Geschenk entsprechend zu würdigen, so lange man das noch in vollem Bewusstsein kann.

Aber wie ist es denn in der Wirklichkeit? Man will ja feiern gehen. Doch dann steht da dieser Türsteher und versperrt einem den Weg zum Dancefloor und an die Bar.
Groß, massiv und scheinbar unüberwindbar macht er den Job, der sein Job ist.

Du bist zu alt, zu jung, trägst die falschen Klamotten, deine Hautfarbe passt nicht, sorry, geschlossene Gesellschaft, wie sind voll oder Corona. Oder ich lasse dich einfach nicht rein, weil ich endlich auch mal die Macht haben will!

Was in der echten Welt die Türsteher sind, sind in unserer inneren Welt Glaubenssätze, die seit Jahrzehnten in uns ein perfides Netz giftiger und vor allem hartnäckiger Rinnsale bilden. Übrigens auch bei den Türstehern dieser Welt.

Sie brauchen Beispiele? Aber gerne doch. Hier ein paar harmlosere Exemplare.

So lange du die Füße unter meinen Tisch stellst, wird gemacht was ich sage.
Es wird gegessen was auf den Tisch kommt.
Was glaubst du eigentlich wer du bist?
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Mädchen die pfeifen und Hühnern die krähen, soll man beizeiten die Köpfe umdrehen.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Willst du gelten, mach dich selten.
Lern was Vernünftiges, damit was aus dir wird.
Ein Junge weint nicht.
Sowas macht ein Mädchen nicht.
Stell dich nicht so an.
Gib das schöne Händchen und (ätzend) dem oder jener Tante/Onkel ein Küsschen.
Halt dich zurück. Sei bescheiden.

Generationen von Menschen haben diese in Null Komma Nix zu widerlegenden Aussagen gespeichert. Und bei Nichtbefolgung die Konsequenzen zu spüren bekommen.
Jede Generation hat da ihre eigene Geschichte.

So. Und jetzt sind wir Erwachsene, die Macht ist mit uns, wir können tun und lassen was wir wollen. Unser Sein und Handeln hat zwar immer noch Konsequenzen, aber die Verantwortung dafür tragen wir und sonst niemand.

Wir dürfen uns jetzt was erlauben, wir dürfen Fehler machen, Spaß haben, Sex, Crime and Rock’n Roll und, der darf in keinem Artikel fehlen, Gin Tonic schon morgens um 11 zu uns nehmen, um 14 Uhr den Fernseher einschalten und erst um 22 Uhr Abendbrot essen.
Wir dürfen uns Hunde, Pferde, Autos kaufen, obwohl es vielleicht unvernünftig ist.
Es ist unsere Unvernunft. Aber auch unser Spaß an den Dingen!

Es ist unser Leben! Wir gestalten es. Egal, welche Meinung andere dazu haben.

Und zum Glück dürfen wir feststellen, dass so mancher Glaubenssatz zu unserem großen Vergnügen tatsächlich Früchte trägt, die richtig süß und saftig sind.

Aus dir wird nie eine Dame!

Als ich im eingangs erwähnten Kulturteil las, dass auch Iris Berben* das Damenthema auf ihrer Liste hat und so gar keinen Bock hat, sich ein Sternchen in ihr Aufgabenheft stempeln zu lassen, schmunzelte ich tief befriedigt und spürte der Lust, keine Dame zu sein in jeder meiner Körperzellen nach. Ein Mensch zu sein, der liebt, lernt, das Feuer in seiner Seele spürt und das Licht im Oberstübchen erst ganz zum Schluß löscht, reicht vollkommen aus.

Das war’s von mir heute an diesem Freitag, an dem Sie sich jetzt am besten erstmal selbst feiern, FREI machen, Ihren blockierenden Glaubenssätzen den Hals umdrehen und dafür das Mädchen* in sich leben lassen und am besten das Huhn gleich mit.

Coming out. 

*selbstverständlich auch den kleinen Jungen!!! Oder die diversen anderen Anteile. However.

Ein Kommentar zu „Von dem was ich im Kopf habe, ist eine Dame weit entfernt*

  1. Steffen Z.

    Die Liste der Glaubenssätze kann man sicher noch sehr umfangreich ergänzen. Mir fallen da spontan noch zwei ein, nach deren Gesetzen wir speziell im Rahmen unserer „Freizeit-Bier-Spaß-Kicker-Truppe“ handeln:
    „Wer gewinnt, hat gewonnen…“ und wenn das Spiel vorbei ist (bei uns gibt es durch die „Letztes-Tor-gewinnt-Regel IMMER einen Sieger) heißt es dann „Wer kein Bier hat, der hat nix zu trinken“ 🙂
    In diesem oder einem anderen Sinne: Schönes Wochenende.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: