Caccini, Hitzewellen und Visionen

Gestern schraubte ich mich bzw. meine Stimme bis zum hohen e hoch.
Etwas krächzend aber immerhin, ich war da oben und hielt es eine Weile gut dort aus.

Alles was Dir hilft, macht Dich besser in dem was Du tust, kommentierte Steffen Z. vor einigen Tagen.
Mir halfen drei universell einsetzbare Tools: Erstens, hinschauen, wie meine Stimme aktuell drauf ist, anstatt zu versuchen, aus ihr eine Soul- oder gar Rockröhre zu machen.

Zweitens, die Mittel einsetzen, die das fördern und unterstützen, was vorhanden ist.
Und last but not least: Machen! Einfach machen. Anfangen, in den Flow kommen, schamlos sein, die heilige Peinlichkeit der eigenen Fehlbarkeit abfeiern.

Guilio Caccini und sein wirklich wunderschönes Ave Maria ist das Mittel meiner Wahl. Spätrenaissance bzw. Frühbarock, musikalisch noch nicht so verschwurbelt und verkünstelt, wie es später der Operngesang sein wird.

Was genau singe ich hier eigentlich und wer war dieser Caccini?
Sicherheitshalber google ich den Seniore und lese erst ganz am Ende des Artikels, dass sein Ave Maria gar nicht von ihm ist. Von wegen frühbarockes Werk! Fake.

Es ist in Wahrheit viel später entstanden und von jemand ganz anderem geschrieben, nämlich von Wladimir Fjodorowitsch Wawilow (1925–1973).

Krass, denke ich, gut, dass ich nachgeschaut habe.

Musst du immer alles hinterfragen, Christine, wozu?, fragt irgendjemand aus meinem Inneren Team, den ich demnächst rausschmeisse.
Ja. Muss ich. Will ich.
Was dann noch übrig bleibt, überlasse ich meinem Glauben, meiner Intuition, meiner Emotion.

Und diese Methode hat sich selbst in den allergrößten Wellen von Hitze und Corona bewährt.

Das alles macht was mit uns. Mit mir, mit Ihnen. Die Hitze und Corona.
Mit unseren Körpern und somit auch mit unseren Köpfen, nicht wahr?

Ja und vor allem mit unserer Art des Lebens.
Bitte, mögen Wellen über uns hinweg schwappen und in uns Neugier, Lust und Erkenntnis entfachen. Lust vor allem darauf, den Dingen auf den Grund zu gehen, nachzuhaken, Fragen zu stellen und alles, was verkrustet ist einzuweichen oder abzuwerfen.

Wir müssen nicht bei Null anfangen.
Wir müssen nur das in uns aufwecken, was uns entspricht, was der Wahrheit nahe kommt. Privat, gesellschaftlich, politisch.

Wenn wir Ideen und Visionen in überholten Regeln und Gesetzen einkerkern, dann können wir einpacken.
Wenn wir alles so machen, weil man es so macht, weil es sich so gehört, weil es anders angeblich nicht geht, weil die Wirtschaft nun mal an allererster Stelle steht oder weil wir ja wissen, wie der andere tickt, was er denkt, und dass er auf jeden Fall etwas Böses im Schilde führt, dann bleiben wir die, die wir immer schon waren. Irgendwie befangen, irgendwie gefangen, irgendwie Riesenbabys.

Nichts steht an erster Stelle. Alles ist eins! Und selbstverständlich gibt es Gutes und Böses. Und deshalb müssen wir genau hinschauen, und zwar mit beiden Augen.
Wir müssen Dinge in Frage stellen und handeln, denn die Zeit läuft.

Auf meinem Schreibtisch steht seit ein paar Tagen eine wunderschöne Sanduhr. Hab ich mir gegönnt. Sie kommt aus einer Glasbläserei in Thüringen.

Der Sand rinnt unaufhaltsam.
Die Sanduhr kann ich nach fünfzig Minuten umdrehen.

Leben rinnt nur einmal und wir wissen nicht, wann es endet.
Es wäre ein Jammer, wenn wir bis dahin nicht so gelebt hätten, dass es sich lebendig anfühlt. Es wäre bedauerlich, wenn wir gehen und noch Wichtiges offen ist oder wir so viel Müll und unbezahlte Rechnungen hinterlassen, dass es für unsere Nachkommen unmöglich ist, ihr eigenes Leben zu leben, weil wir sie mit Altlasten ersticken.

Lebendigkeit hat mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu tun. Auch wenn das machmal ganz schön schräg und unpopulär ist und wir uns über uns selbst erschrecken oder wundern.
Es ist erfrischend, es macht Platz für Neues oder für Erneuerung.

Ach ja, ich habe nachgelesen, was die Hitze mit uns macht!
Das Blut zirkuliert anders, mehr an der Körperoberfläche, um Kühlung zu bringen. Das Herz pumpt schneller, im Magen und im Kopf befindet sich weniger Blut.

Also, viel trinken, weniger Alkohol und fettes Essen, langsame Bewegungen, auch beim Sport und anderen körperlichen Betätigungen,  und den Kopf einfach mal tiefer rutschen lassen 😉

Ihnen einen Donnerstag wie er sein soll und das Allerbeste, was auch immer das für Sie sein mag.

2 Kommentare zu „Caccini, Hitzewellen und Visionen

  1. „Und selbstverständlich gibt es Gutes und Böses“
    Und hat uns nicht bereits die Zeit, wie sie gerade ist, schon so eingelullt, dass wir hinter all dem vermeintlich Guten was mit Geld zu kaufen ist, das wirklich Gute nur mit Mühe noch erkennen und das wirklich Böse fast gar nicht mehr sehen, geschweige denn aktiv dagegen angehen? Ich schließe mich selbst dabei ein und meine wirklich nicht ALLE anderen. Weil ich weiß, dass einige tatsächlich noch aufbegehren gegen Dinge, die sie als falsch empfinden. Und das ist gut so….

    Liken

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