Vom Glück, der Freiheit und einem Besuch aus Berlin

Kennen Sie dieses süße Gefühl vom kleinen Glück? Ich hatte es heute Morgen.
Nach einer erneut schmerzhaften Nacht saß ich mit einer frischen Tasse Kaffee aufrecht am Tisch und hatte kleine hellblaue Schmetterlinge im Bauch.
Über meinem Kopf schwirrten zwei bunt schillernde Libellen und rechts an meiner Seite lag ein entspannter Wolf, der gelangweilt ein Augenlid hob, als die weiße Eule durch die geöffnete Terrassentür herein geflattert kam, fröhlich Moooijjn flötete und auf dem Esstisch landete.

Sie hatte zum Glück die Tageszeitung dabei und ließ sie nonchalant aus ihrem Schnabel direkt vor meine Nase gleiten. Auf die Eule ist Verlass. Das kann man vom Zeitungsboten nur bedingt behaupten.

Die spinnt doch, denken Sie sich jetzt? Wer genau? Die Eule oder ich?

Fantasie ist etwas sehr Anregendes.
Versuchen Sie es mal. Lassen Sie Ihrer Fantasie mal freien Lauf.

Denken Sie jetzt keinesfalls an eine hellgrüne Elfe mit rosa Haaren und feinen, filigranen Flügelchen, die an Ihrem Ohr knabbert.

Es steht Ihnen genauso frei, in der Linie 08/15 zu fahren oder ihren persönlichen Mittelweg zu Fuß zu gehen.

Es steht Ihnen frei!
Sie und ich, wir leben zum Glück nicht in Belarus oder einem anderen Land mit diktatorischer oder autokratischer Führung.
Wir werden zum Glück nicht vergiftet, weil wir einen Blog betreiben, der den Machthabern ein Dorn im Auge ist. Wir werden nicht gefoltert, weil wir demonstrieren.

Freiheit ist ein Gut, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir müssen für dieses Gut bedingungslos eintreten. Wir müssen sorgsam darauf achten, dass es nicht unterwandert wird, dass wir nicht nachlässig werden und Vorgehen für normal halten, die es nicht sind.
Und ein Polizeiknie im Nacken? Wir müssen hinschauen, aufklären und ehrlich sein. Auch wenn es weh tut.

In der Fantasie treibt die Freiheit ihre Blüten. Vielleicht wird sie hier sogar aus der Taufe gehoben.

Albert Einstein soll gesagt haben, dass Logik uns von A nach B, Fantasie uns hingegen überall hinbringen kann.
Nach kurzer Prüfung hier mein vorläufiges Ergebnis: Isso.
Und eines schließt das andere ja nicht aus. Es kommt eben immer drauf an.

Hätten wir nicht die Möglichkeit, zu träumen, Visionen zu entwicklen, Dinge zu hinterfragen, neu zu machen, frei auszuprobieren, zu scheitern, und fantasievoll zu sein, wären uns die meisten Errungenschaften verwehrt und wir über das Mittelalter nicht hinausgekommen. Wenn wir es überhaupt bis dahin geschafft hätten.

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir ohne Feuer überlebt hätten? Da hat sich offenbar jemand mal getraut etwas zu tun, was sich vorher noch niemand getraut hatte.

Wir dürfen ruhig mal genau überlegen, wie viel gesetzliche und sonstige Reglementierung eigentlich noch gesund sind im Hinblick auf die allgemeine Verdummung und Infantilisierung unserer Gesellschaft.

Wir müssen uns trauen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, auch wenn die entsprechende Vorschrift noch nicht auf dem Tisch liegt! Auch, wenn sich unsere Entscheidung als Fehler herausstellt.

Jeder von uns darf sich im stillen Kämmerlein oder Oberstübchen die Frage stellen, ob das, was gestern galt heute immer noch gültig ist. Und wenn ja, warum und wenn nein, warum nicht und welche Entwicklung in Gang gebracht werden muss.

Ich bin eine Lernende. Ich bin eine Scheiternde. Ich bin eine wie Sie. Ich falle hin, liege ne Weile da unten rum, stehe auf, richte das Krönchen, wiederhole das ganze Prozedere bis es richtig weh tut und irgendwann geht mir dann vielleicht ein Licht auf, es doch mal anders zu versuchen. Es anders zu denken. Zu hinterfragen. Den Geist aus der Flasche zu lassen, mein Irren und Wirren mutig zu akzeptieren.

Ich freue mich heute jedenfalls einfach des Lebens und darüber, die Zeitung lesen zu können, ohne dass mir die Buchstaben vor den Augen verschwimmen, ich vor Schmerz nur noch weinen oder meinen Kopf gegen die Wand hauen möchte, bis er abfällt und mir ein neuer wächst.

Was lese ich da also in einer Randnotiz des Lokalblattes?

Kevin kommt heute in unser Dorf. Kevin aus Berlin kommt nach Werther in Westfalen.
Wow, denke ich, der wird sich wundern; hach, schmachte ich, ick steh uff Berlin und auf Peter Fox.

Du bist nicht schön und das weißt du auch
Dein Panorama versaut
Siehst nicht mal schön von weitem aus
Doch die Sonne geht gerade auf
Und ich weiß, ob ich will oder nicht
Dass ich dich zum Atmen brauch


Wie gefällt mir Kevin aus Berlin als Politiker?
Ich kenne Kevin Kühnert überhaupt nicht. Nur aus der Runde bei Anne. Und das bildet ähm gildet nicht.

Er ist jung. Er kann argumentieren. Ob seine Argumente tragfähig sind, ob Sie im Sinne der Allgemeinheit klug sind – ich weiß es nicht.

Der ist links, der ist populistisch, der soll doch zu den Linken gehen, der hat sein Studium abgebrochen und nur einen Abschluss von der Fernuni Hagen, der arbeitete im Callcenter etc. pp.
Und jetzt? Ist das alles? Was sagt mir und Ihnen das jetzt genau?
Nichts. Jedenfalls nicht genug.

Sind die, die Jura, Medizin oder Lehramt studiert, promoviert haben und sich die Kravatte selber binden können allein deshalb fähigere Politiker?
Sind die, die katholische Religion unterrichtet und zur Weinkönigin erkoren wurden fähige Politiker?

Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass Politiker die Vertreter der Staatsbürger, unsere Vertreter sind, wäre es dann vielleicht sinnvoll darauf zu achten, dass die Vertreter dann auch wissen oder zumindest eine Ahnung davon haben, wie man als gemeiner, durchschnittlicher Staatsbürger so lebt? Was man wirklich braucht?

Kevin besucht heute in Werther einen Freund. Dieser Freund will hier zum Bürgermeister gewählt werden.
Von mir wird er das übrigens auch.
Es ist Wahlkampf. Und deshalb werden Kevin und sein Freund Veith heute Nachmittag einen Spaziergang durch das Dorf machen.

Ich bleibe zuhause. Mir sind Gespräche unter vier, maximal sechs Augen lieber. Gerne mit Menschen, die nicht auf einem Auge blind sind. Weder auf dem rechten noch auf dem linken. Ein gerader Blick. Das wäre schön.

Offen, klar. So viel zum Thema Fantasie, Träume, Idealismus.

Vielleicht sollten alle, die die Ebene der Lokalpolitik vor langer Zeit hinter sich gelassen haben öfter mal ihre alten Freunde auf dem Land besuchen. Vielleicht sollten Sie ihre Krawatten und Kostüme viel öfter ablegen, die Klappe der Floskeln geschlossen halten und einfach mal hinschauen und zuhören. Authentisch, betroffen, als Mensch unter Menschen. Rhetorik Rhetorik sein lassen, mitfühlen.

Vielleicht sind das die Kernkompetenzen eines Politikers: Gucken, hören, verstehen, abwägen, umsetzen.
Dass es nicht immer für jeden gerecht und wünschenswert gelingen kann, ist die Crux an der Sache mit der wir alle leben müssen.
Kompromisse und so oft es geht Win-Win? Gemeinsame Sache machen, Schnittmengen finden, auch wenn es schwer fällt? Alle an einen Tisch?

Meine Vision ist schon seit langem eine Partei für alle! Ein großer bunter Tisch.

Vor jemandem, der in einer kleinen Stadt in Ostwestfalen Bürgermeister werden will, ziehe ich jedenfalls meinen Hut bzw. würde als Zeichen der Solidarität einen aufsetzen.
Jemand, der mit Ideen und Visionen in der ostwestfälischen Provinz leben und arbeiten möchte kann jede Unterstützung sehr gut gebrauchen.

Gut, dass Kevin aus Berlin kommt. Kevin heißt übrigens so viel wie lieb, teuer, geliebt, zur Familie gehörig, schön, edel.
Danke Wiki! Du bist ein Schatz.

„Innerer Friede ist die Voraussetzung, dass ich mich für diese Welt engagiere.“

Dieser Satz steht heute in meinem Büchlein der Tagesimpulse. Er ist von Anselm Grün.

Ihnen und uns allen wünsche ich die Freiheit, zu sich selbst stehen und den eigenen Emotionen, Gedanken und Gefühlen trauen zu können. Damit Frieden einkehrt in uns. In unsere Seele. Wo immer die auch sein mag.

Ich wünsche Ihnen und uns allen Friede, Freude und wer mag auch Eierkuchen.

Die Ihre.




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