Namaste am Obersee und das Gold des großen Mutes

Weiße Leinwand, Acrylfarbe und schon hatte ich alles, um fernab aller Regeln der Kunst mal so richtig zu entgleisen.

Ich brauchte Pink, sehr viel Pink, fettes Pink in noch fetteren Schichten. Und dann Rot und kurze Zeit später Gold.
Der feine Pinsel wich einem Spatel und schuf aus der Idee einer schwarzblauen Figur eine rot-pink-güldene Seelenexplosion.

Haben Sie schon einmal einen Flow erlebt?
Dieses Gefühl von innerer Freiheit, von einem Glimmen in der Seele, einem Eintauchen in das, was Sie gerade tun, dem Gefühl, dass Sie sind, was Sie tun?

Nichts, wirklich gar nichts gegen schönen Sex. Im Gegenteil. Vielleicht wären wir alle entspannter, wenn wir (wieder) mehr schönen Sex hätten anstatt uns selbstherrlich über alles und jeden aufzuregen, wie ein Gockel auf Extasy.

Im Vergleich zu einem Orgasmus hat ein Flow den großen Vorteil, dass er länger anhält und durchaus einen Preis für Nachhaltigkeit verdient. Auf einem Flow kann man aufbauen. Wirklich. Glauben Sie mir.

Versuche zu malen oder zu zeichnen, und zwar dergestalt, dass der geneigte Draufschauer erkennen könnte, was mein Gekritzel darstellt, sind bisher fulminant gescheitert. Mein Kunstverständnis ist von unterdurchschnittlicher Ausprägung und mein Gefühl für Farben changiert zwischen Schwarz und einem dunklen Nachtblau.

Entsprechend entspannt und ohne jede Erwartung machte ich mich gemeinsam mit meiner Schwester auf zu neuen Erfahrungen. Das Leben ist zu kurz, um sich über alltägliche Unpässlichkeiten aufzublasen und in kleinkarierter Enge in Schnappatmung zu verfallen.
Kann man natürlich machen; aber das ist ungefähr so erfüllend, wie eine rote Ampel anzuhupen und, wenn sie nicht unverzüglich auf grün springt, sich mit rechtlichem Beistand beim Bundesverkehrsministerium zu beschweren.

Sie spüren es, ich drohe mich zu verlieren und kehre deshalb flux zu den schöneren Erfahrungen der hinter uns liegenden Woche zurück. Hinein in etwas, das die kindliche Neugier zum Leben erweckt.

Ein Abend mit Martina in ihrem Atelier am Obersee sollte es werden, malen, nicht nach Zahlen, sondern frei.

Lieben Sie auch Menschen, die Ihnen mit offenem Blick und weit geöffnetem Herzen begegnen?
Menschen, die noch in der Lage sind, die Herausforderungen des Lebens spielerisch und kreativ anzugehen? Optimistische Leute.

Menschen, die die Gabe besitzen, sich nicht über andere zu stellen und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf dicke Hose zu machen?

Menschen, in deren Gegenwart Sie sich sofort wohlfühlen, weil Sie spüren, dass Sie hier sein können wie Sie sind, dass Sie willkommen sind, und zwar von Herzen.
Ankommen in angenehmster Form in einer Atmosphäre, die vor Kreativität und Herzlichkeit sprudelt.

Das Miteinander wäre langweilig, wenn es allen Menschen gelänge, ihre Wichtigtuerei und permanente Selbstüberschätzung loszulassen. Aber so utopisch und weltfremd diese Vorstellung auch sein mag, schön ist sie schon, finden Sie nicht auch?

Und dass so etwas gelingen kann, zeigte der Abend im Atelier. Fünf ganz unterschiedliche Frauen, die loslassen konnten: Vor allem sich selbst. Fünf Menschen, die sich zeigten und zu erkennen gaben; in ihren Bildern und in der Offenheit ihrer Gedanken.

Dass Malen so gut tun kann, hat mich sehr beeindruckt. Dass man, wenn man sich darauf einlässt, sich selbst so begegnen kann, ist eine tolle Erfahrung.
Bestimmt ist es nicht jedermanns Sache, sich kreativ auszudrücken. In meinem Fall war es pures Gold zu erleben, wie viel Pink und Rot ich in mir trage und wie grandios es sich anfühlt, diese Power zu befreien.

Wie ein übermütiges Kind habe ich an diesem Abend herumgematscht. Klasse! Ich will nochmal.

Danke an Martina, Eva, Christina und Constanze. Let’s do it again, and again and again.
Kein Doofgedöns, mit den Spezies mutier blasphemantes (lat.), lästerhaftes Weib, iacentem hominem (lat.), verlogener Mensch und superficialis viventem (lat.) oberflächliches Geschöpf, stattdessen das Geschenk von Namaste, Verbeugung zu dir, und Großmut in Farbe.

Wenn Sie etwas haben, in das Sie eintauchen können und bei dem Sie kindliche Freude empfinden, dann tun sie es. Genießen Sie es! Dann sind Sie wahrscheinlich jemand, der sehr nah dran ist, Frieden mit sich selbst zu schließen und kein großes Trallala mehr braucht.
Wenn Sie „es“ noch nicht gefunden haben, dann suchen Sie weiter.
Wenn wir heil sind, dann stehen die Chancen gut, dass wir uns von Falschheit und Wichtigtuerei entfernen können. Dann schaffen wir es vielleicht, uns selbst so zu mögen, dass wir andere nicht mehr klein machen müssen, um uns groß zu fühlen.

Haben Sie ein schönes Wochenende, wählen Sie weise und lassen Sie sich vom Chaos in der Welt nicht verdrießen. Am Ende wird alles gut und Sie wissen ja, wenn es nicht gut wird, ist es auch nicht das Ende.

Wenn Sie können, befreien Sie sich von dem Druck, sich vor anderen beweisen zu müssen. Seien Sie einfach. Alles andere ist Quatsch.

Ich bin für ein paar Tage am Meer auf meiner Lieblingsinsel und halte die Finger deshalb in der kommenden Woche still.

Lassen Sie es sich gut gehen.





Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s