Stechapfel & schöne Männer

Erinnern Sie sich daran, was Sie heute Nacht geträumt haben?
Ich war in einer mittelalterlichen Stadt unterwegs und traf auf meine Freundin Petra und eine Gruppe höchst attraktiver Männer.
Jemand stimmte ein Lied an und wir anderen stimmten ein. Es war ein tolles Gefühl, endlich mal wieder gemeinsam zu singen.
Als das Lied endete flüsterte mir einer der Männer ins Ohr: Stechapfel. Du musst den Stechapfel finden.

Noch in der Taumlandschaft unterwegs, torkelte ich heute Morgen in die Küche, direkt auf die Kaffeemaschine zu. Stechapfel, Stechapfel, Stechapfel, murmelte ich. Zum Glück weiß mein Mann, wie er mit meinen morgentlichen Verwirrtheiten umgehen muss.

Na, Christine, geträumt?

Ja, antwortete ich, irgendwas mit Stechapfel und schönen Männern.
Gut, antwortete er, freut mich, dass du von mir geträumt hast.

Immer gut zu wissen, wo man sich Selbstbewusstsein borgen kann, wenn es einem mal ausgeht, dachte ich, während ich die Terrassentür öffnete und die Hündin nach Draussen ließ und darüber nachdachte, ob in unserem Garten wohl Stechäpfel gedeihen.

Ein Stechapfel sieht aus wie eine unreife Kastanie, nur kleiner. Seine Blüte ist weiß und gleicht einer Engelstrompete. Der Stechapfel ist hoch giftig. Es gibt Menschen, die ihr Hanfpfeifchen mit einer Spur Stechapfel veredeln, um in der Meditation besonders hoch oder tief ins Bewusstsein zu gelangen.

Der Stechapfel löst alle Begrenzungen auf und kann die Seele vom Körper lösen; und er ist so tödlich wie der Biss einer Kobra. Bei Missbrauch und im Falle des Überlebens kann er lang anhaltende Psychosen und Horrortrips auslösen.

Wow! Und wie kommt mein Gehirn darauf, mir ausgerechnet einen Stechapfel als Traumsymbol in den Geist zu planzen?
Ich komme auch ohne jede Droge in Sphären zurecht, die jenseits von Gut und Böse liegen. Eigentlich brauche ich keine halluzinogene Unterstützung.

Stechapfel, so lese ich weiter, gehört mit Bilsenkraut und Tollkirsche zu den „Hexenpflanzen“.
Hui Buh! Na jetzt wird es ja ganz schrill. Hexen. Weise Frauen. Heilerinnen.

Ich fange an, in meinen Erinnerungen zu graben weil mein Verstand davon ausgeht, dass irgendeine Begebenheit des Tages, irgendeine Gedankenansammlung bei diesem Traumbild den Pinsel geschwungen haben muss.
Die Sequenz mit dem Treffen der Freundin und den Männern ist nachvollziehbar. Mir fehlen schöne Kontakte, das Singen, der Chor. Der Covid-Schlamassel nervt einfach nur noch.

Darüberhinaus scheint es an der Zeit zu sein, auch dem Metaphysischen wieder mehr Raum zu geben.
Der Intuition, der inneren Stimme, dem Höheren Selbst?

Wie auch immer wir das nennen: Es gibt etwas, das sich jenseits des Wissens und der Wissenschaft bewegt. Das Eine, Gott, welchen Namen wir in unserer beschränkten Sprache auch wählen wollen.

Und manchmal kommt es in Gestalt eines verträumten Stechapfels, der daran erinnert, sich mal wieder hinzugeben und loszulassen und mal zu schauen, welche Botschaften aus dem Nichts und dem Alles aufsteigen.
Auf die Dosis kommt es an, damit aus einem schönen Trip kein Horror, sondern ein Geschenk des Himmels wird. Ganz im metaphysischen Sinne.

Bis bald, bleiben Sie geschmeidig und inhallieren Sie ruhig einmal die Vorstellung der verführerischen Rauschwirkung eines Stechapfels.




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