Teilchen auf Speed

Es hämmert in meiner rechten Schläfe, als würde mir jemand mit einem Presslufthammer durch das Jochbein bohren. Mein Hals ist trocken wie die Namib am Mittag und ich denke So eine Scheiße.

Die Hündin atmet rasselnd und verzweifelt unter dem Türschlitz hindurch, auch sie offensichtlich gebeutelt und ausgemergelt von einer Nacht in der Wüste.
Wie Darth Vader durch seine Maske Ich bin dein Vater röchelt, schnaubt mein Hund: Ich bin dein Hund. Geh mit mir raus.

Zwei meiner Lieblingsmenschen wispern und werkeln in der Küche, der Kaffeeautomat legt sich brummend ins Zeug, der Wasserkocher blubbert motiviert, dann ist es still. Die Familiengang liest Zeitung.

Es ist kurz vor acht. Ich liege da wie hingegossen, drücke mir die rechte Hand auf die rechte Schläfe, Handauflegen lindert. Heile Heile Gänschen, fällt mir ein, es wird schon wieder gut, das Kätzchen hat ein Schwänzchen, es wird schon wieder gut. Heile Heile Mausespeck, in hundert Jahr ‘n ist alles weg.

In hundert Jahren. Fein. Ich liebe Visionen. Dann habe ich die Hälfte schon geschafft. Fünfzig Jahre Migräne, das ist doch mal ein Grund zum Feiern!

Das kommt von diesem komischen Wetter. Gestern Eisregen und Minusgrade, heute nieselt der Frühling herein.

Ich rufe P. an und sage unsere Verabredung ab. Kein Ding, sagt P. dann nächste Woche, pack dich weg und gute Besserung.

Wie viele Veranstaltungen und Verabredungen sind in meinem Leben eigentlich schon dieser bescheuerten Migräne zum Opfer gefallen?

Shut up, sit down and breath, ermahnt mich mein innerer Lama. Er spricht immer Englisch mit mir. Wir sind international aufgestellt, mein inneres Team und ich.

Mir ist schlecht, aber ich atme brav ein paar Mal tief ein und langsam wieder aus. Später werde ich mich in mein Zimmer im ersten Stock schleppen und es bis auf mein Meditationsbänkchen schaffen und mich tatsächlich für eine gute Weile ins Nichts begeben können.

Jetzt lasse ich mich erstmal für ein paar Minuten ins Universum entführen. Welt der Physik. Einer meiner Lieblingspodcasts. Innerhalb von zehn Minuten wird mir einleuchtend erklärt, wie kosmische Strahlung funktioniert.

Teilchen von unvorstellbar hoher Energie prasseln ununterbrochen auf die Erde nieder.
Kann es sein, dass diese Teilchen auch solche Dinge wie Migräne beeinflussen? Teilchen mit Namen wie Proton und Elektron und Atom, die den Teilchen in mir so ähnlich sind, dass sie aufeinanderprallen und einen Crash verursachen, der Schmerz hinterlässt?

Was passiert denn, wenn sich zwei Teilchen begegnen, die sich sehr ähnlich sind? Erst Krawall, dann Verschmelzung, dann Freisetzung von neuer Energie, Harmonie?
Eigentlich klar, wenn es so richtig kracht, dann fliegen die Fetzen, es folgt die Versöhnung, sprich Verschmelzung und man macht das, was blöd gelaufen ist, von nun an besser. Vielleicht.

Was denn nun? Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an? Da dürfte dann die Neuroplastizität ins Spiel kommen und Unmögliches möglich und Mögliches unmöglich machen. Oder der Zufall? Zur richtigen Zeit am falschen Ort oder zur falschen Zeit am richtigen Ort, irgendwo im Universum?

Physik der Liebe. Und die Antwort ist bekanntlich immer 42.

Leider bin ich keine Physikerin. Aber wenn ich es einigermaßen richtig verstanden habe, dann sind wir im Grunde alle Teilchen auf Speed. Und je nachdem welchen Umgebungsreizen wir ausgesetzt sind, ziehen wir uns an oder stoßen uns ab. Oder prosaischer ausgedrückt, Sternenstaub im Wirbelmodus. Du bist vom selben Stern, ich kann deinen Herzschlag hör’n, du bist vom selben Stern wie ich.

Wie auch immer. Bleiben Sie verschont von Schmerzen. Heute und Morgen und überhaupt.  Und wenn es doch mal wehtut, weil Sie vielleicht mit etwas zusammengeprallt sind, shut up, sit down and breath. Das setzt Energie frei und lässt das Universum lächeln. Und Sie vielleicht auch!

Beste Grüße und bis bald mal.






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