So’ham und der Schabernack

Einen Tag nach einer Migräneattacke geht’s in meinem Hirn immer richtig zur Sache. Ein kunterbuntes Drunter und Drüber tobt über die Flure der grauen Theorien. Gedanken spielen Blinde Kuh und Hasch mich, ich bin der Frühling. Flöhe hüten ist einfacher, als diesen Kindergarten der Schlaumeier und Neunmalklugen unter der Schädeldecke im Zaum zu halten.

Legionen visionärer Absurditäten mausern sich in nächtlichen Traumsequenzen zu hollywoodreifen Drehbüchern. Inferno, Armageddon, Tsunami; und danach: Stille. Nüscht. Niente. Nada.  

Wenn der Schmerz abebbt, bricht die Zeit der temporären Einsichten an. Einsichten von betörender Schlichtheit. Schön, wie ein Butterbrot, wie ein Bergsee, wie ein ungeschminktes Lächeln.
Diese Zeit währt so kurz wie ein flüchtiger Flirt.  Es ist eine Zeit, in der mich mein lächelnder Schabernack bezirzt und meinem Verstand ne ordentliche Tüte erlesener Hanfpflanzen verabreicht. Guter Typ übrigens, Sie sollten ihn kennenlernen.

Er nimmt meine Hand, dreht die Musik laut auf, Abba, Bay City Rollers & Co., archaische Trigger, die meine Hüften die einzig wahre Sprache sprechen lassen. Er verführt mich zu Tätigkeiten, die dank ihrer Einfachheit Juwelen für das Sein sind. Klo putzen, Pflänzchen mit den Händen in die Erde setzen, die Nase in alle Gewürze stecken, die die Küche beherbergt. In Ruhe. In Zeitlupe.
Das Leben ist zu kurz, um schnell zu sein. Es ist zu wertvoll für komplizierten Quatsch.

Mein Schabernack haut mir jedenfalls an Tagen wie diesen auf die Finger, sobald ich zu irgendeinem Fach- oder Sachbuch greifen,  wissenschaftliche Dokumentationen auf arte und 3Sat starten will oder sonst einer vermeintlich wichtigen und ernsthaften Beschäftigung nachgehen will.

Er schüttelt mir die Kissen auf, drückt mich mit sanfter Gewalt in die selben, schlüpft mit mir unter die Decke und flüstert: Die Wirklichkeit steht nicht im Lexikon oder irgendwelchen Wälzern, Christine, So’ham, dein Lachen und deine Liebe ist alles, was du brauchst.

So’ham. Ein Mantra aus dem Sanskrit, das so viel bedeutet, wie Er ist ich, Ich bin er und die Einheit von Individualseele und dem Absoluten symbolisiert.

So’ham.
Schon Marianne Rosenberg hat darüber gesungen. Sie erinnern sich? Ich bin wie Du, ahaha, wir sind wie Sand und Meer, uhuhuuu, und füreinander immer nur da, hahahahaha.

Und ich schließe die Augen, lächle, lache, atme und fühle mich sowas von mittendrin im Leben.
Ich merke gerade noch, wie der Schabernack mir einen Kuss auf die Stirn gibt, mich in die Wange zwickt und mit einem So’ham, du kannst dich nicht von deinem Schabernack trennen, mitten in mein Herz hüpft und denTakt angibt.

So’ham, so dann, ich stöpsle mir jetzt Marianne in die Ohren und gehe mit Marleen, die Haare wie ein Sternenzelt hat, Staubwischen.

Fühlen Sie sich umarmt und geherzt. Es wird Zeit, dass wir es wieder tun!

Es ist viel zu lange her.


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